Bestrahlung als Behandlungsmethode

Prostatakrebs – die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Von dem Drüsengewebe der Vorsteherdrüse, der sogenannten Prostata, ausgehend, beschneidet diese bösartige Tumorerkrankung in Deutschland die Leben von jährlich etwa 67.000 Neuerkrankten. Die Diagnose trifft die Betroffenen meist schwer und ist zusätzlich von Ungewissheit begleitet. Doch es gibt Hoffnung: Prostatakrebs kann, je nach Stadium der Krankheit und Allgemeinzustand des Patienten, mit verschiedenen Behandlungsmethoden sehr gut therapiert werden. Eine dieser Behandlungsmethoden ist die Bestrahlung mit Protonen – eine besonders schonende und dennoch effektive Form der Krebstherapie.

Prostatakrebs-Behandlung mittels Bestrahlung

Die Strahlentherapie hat sich in der Vergangenheit neben Chemotherapie und Operation als eine effektive Behandlungsmethode bei Prostatakarzinomen bewährt. Die dabei angewandten ionisierenden Strahlen schädigen Kern, Erbsubstanz und Membran der Tumorzellen. Damit hemmen sie die Zellvermehrung der bösartigen Tumor-DNA, wodurch sich das Karzinom verkleinert. Im Idealfall zerstören sie den Tumor sogar vollständig – ohne invasiven Eingriff und medikamentöse Nebenwirkungen.
Die Problematik bei einer Krebserkrankung der Prostata liegt jedoch darin, dass die Prostata von empfindlichen Organen wie der Harnblase und dem Enddarm umgeben ist. Herkömmliche Bestrahlungsmethoden mit Photonen können diese aufgrund ihrer weniger präzisen Strahlen-Ausrichtung in Mitleidenschaft ziehen und somit zu Beschwerden führen. Aber genau hier kommt die Protonentherapie ins Spiel – als punktgenaue und dadurch nebenwirkungsarme Form der Strahlentherapie.

Strahlentherapie bei Krebserkrankungen

Konventionelle Bestrahlungen mit Photonen verteilen die Strahlenbelastung nur bedingt optimal: Das Dosismaximum kann neben dem erkrankten Gewebe auch gesundes Gewebe treffen. Das führt zu Entzündungen der Schleimhäute – in Harnblase, Harnröhre und Enddarm. Bei der Protonenbestrahlung hingegen ist die Belastung relativ gering. Erst bei der nahezu vollständigen Abbremsung des Ionenstahls steigt die Energieabgabe explosionsartig an. Und nach dem Dosismaximum fällt die Wirkung des Strahls abrupt ab. Dadurch kann der Impuls millimetergenau bemessen und gesteuert werden – für eine bestmögliche Schonung des umliegenden Gewebes. Auch bei tiefliegenden Tumoren.

Protonentherapie bei Prostatakrebs

Bei Prostatakrebs, welcher umgeben von Weichteilen und Organen im Unterbauch liegt, kann die Protonentherapie daher ihre volle Wirkung entfalten. Die geringe Strahlenbelastung reduziert die Nebenwirkungen auf umliegende Organe auf ein Minimum. Harnblase und Enddarm bleiben verschont. Gleichzeitig erhöht die bessere Verträglichkeit die Akzeptanz der Behandlung. Insgesamt stellt die Strahlentherapie mit Protonen neben Operation und Chemotherapie daher eine präzise, schonende und effektive Behandlungsalternative dar.

Strahlungsverteilung bei einem Prostatakarzinom im Vergleich. Links die Bestrahlung mit herkömmlichen Photonen, rechts die deutlich geringere Belastung bei einer Bestrahlung mit Protonen.

Für wen kommt die Protonentherapie bei Prostatakrebs in Frage?

Grundsätzlich können alle Patienten mit einer Empfehlung zur Strahlentherapie auch mit der Protonentherapie behandelt werden. Wichtig ist aber, dass der Tumor noch regional begrenzt ist, sich also nur in der Prostata selbst oder in der näheren Umgebung befindet, und sich noch keine Metastasen in anderen Organen oder Geweben gebildet haben. Des Weiteren gelten folgende Kriterien:

  • Gleason-Score > 7 und/oder PSA-Wert > 10
  • PSA-Wert < 50ng/ml

Sind alle Kriterien erfüllt, ist eine Behandlung mit Protonen grundsätzlich möglich. Allerdings führen wir im Vorfeld eine individuelle medizinische Prüfung anhand Ihrer medizinischen Unterlagen durch.

  • Kontakt zum Case Management

    Unser Case Management steht bei Fragen gerne jederzeit zur Verfügung. Bis zum Behandlungsbeginn haben Sie durchgehend ein und denselben Ansprechpartner.

Welche Unterlagen sind für eine Therapieentscheidung einzureichen?

Zur Prüfung Ihrer Anfrage hinsichtlich einer Prostatakrebs-Behandlung mit der Protonentherapie benötigen wir folgende Dokumente von Ihnen:

  • Arzt- oder OP-Bericht
  • Histologiebefund
  • Ggf. initiales und aktuelles MRT oder CT
  • Ggf. Tumorboard-Entscheidung
  • Ggf. PSA-Wert
  • Radiologische Befunde

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Case Managements geben Ihnen gerne weitere Auskunft. Nach anschließender medizinischer Prüfung Ihrer Unterlagen durch einen Radioonkologen des WPE erhalten Sie dann zeitnah eine Rückmeldung über Ihre Bestrahlungs-Möglichkeiten.

  • Therapieanfrage senden

    Name (Pflichtfeld)

    E-Mail (Pflichtfeld)

    Ihre Nachricht


Behandlungsablauf der Protonentherapie bei Prostatakrebs am WPE

Sollte eine Protonentherapie für Sie infrage kommen, vereinbaren wir gemeinsam einen Termin zu einem Beratungs- und Aufklärungsgespräch. In diesem Gespräch können wir uns gegenseitig kennenlernen und der zuständige Arzt kann die für die Behandlung notwendige Anamnese durchführen.

Im Anschluss an die Anamnese führen wir für die weitere Behandlungsplanung noch ein CT oder MRT durch, sollten Ihre bildgebenden Dokumente nicht auf dem aktuellen Stand sein. Erst dann kommen alle beteiligten Disziplinen im urologischen Tumorboard zusammen. Gemeinsam mit Urologen, Onkologen, Pathologen, Radiologen und Strahlentherapeuten erarbeiten wir von der Klinik für Partikeltherapie am WPE eine Therapieempfehlung für Sie – orientiert an Ihrer individuellen Symptomatik und Situation.
Die anschließende Behandlung Ihres Prostatakarzinoms mit der Protonentherapie beginnt 2-3 Wochen später und erfolgt ambulant – fünf Mal pro Woche und über einen Zeitraum von sieben Wochen. Alternativ können Sie an unserer HypoPros I-Studie teilnehmen. In dieser Studie untersuchen wir die Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Protonentherapie, bei der die tägliche Einzeldosis, auch Fraktion genannt, moderat angehoben wird. Dabei verkürzt sich die Behandlungszeit von sieben auf vier Wochen.

Behandlungsablauf der Protonentherapie am WPE.

Bei der Bestrahlungsplanung wird zu schonendes Gewebe wie z.B. die Blase oder der Darm berücksichtigt, damit der Protonenstrahl diese Bereiche nach Möglichkeit nicht durchdringt.

Präzise Helfer: Goldmarker, Rektumballon und Lagerungskissen

Da die umgebenden Muskeln der Prostata mehr oder weniger stark angespannt sein können, ist sie ständig leichten Bewegungen unterlegen. Eine gefüllte Blase oder ein gefüllter Enddarm verändern die Lage zusätzlich. Um dennoch genaue Rückschlüsse auf die exakte Position der sich ständig bewegenden Prostata zu ermöglichen, werden Ihnen im Vorfeld Ihrer Protonentherapie ca. 1 mm dünne Goldstäbchen eingesetzt, sogenannte Goldmarker. Der Eingriff dauert nicht länger als zehn Minuten und ist ähnlich dem einer Prostatastanze. Die Goldmarker ermöglichen es uns, die Position Ihrer Prostata unter radiologischer Durchleuchtung exakt anzuzeigen. Mit den Daten können wir unser Bestrahlungsgerät dann präzise einstellen und die Lagerung gegebenenfalls anpassen.
Ein Rektumballon fixiert die Lage von Darm und Prostata während der Therapiesitzung zusätzlich. Gemeinsam mit individuell angefertigten Lagerungskissen und thermoplastischen Beckenmasken erreichen wir somit eine punktgenaue Bestrahlung des Tumorgewebes – für maximale Effektivität.

Häufige Fragen zur Protonentherapie bei Prostatakrebs im WPE

Welche Nebenwirkungen können bei der Protonentherapie auftreten?

Ähnlich wie bei der Röntgendiagnostik und der Strahlentherapie mit Photonen spüren Sie von der bloßen Bestrahlung mit Protonen nichts. Dennoch kommt es manchmal im Verlauf zu einer örtlichen Reaktion. So können als direkte Nebenwirkung während des Bestrahlungszyklus beispielsweise Hautreizungen in Erscheinung treten. Diese bilden sich jedoch meist innerhalb von zwei bis drei Wochen nach Abschluss der Behandlung wieder zurück.
Des Weiteren kann es vereinzelt zu einem brennenden Gefühl beim Wasserlassen kommen. Das liegt daran, dass die Harnröhre direkt durch die Prostata verläuft und daher mitbestrahlt wird. Das Brennen beim Harnlassen ist aber leicht in den Griff zu bekommen und verschwindet innerhalb weniger Wochen wieder von selbst.
Allgemein kann es passieren, dass Müdigkeit, Unlust oder Appetitlosigkeit bei Ihnen auftreten – bedingt durch die Anstrengungen des Körpers, die Strahlen zu verarbeiten. Wird parallel noch eine Chemotherapie durchgeführt, können auch Blutbildveränderungen und verstärkte Schleimhautreizungen auftreten. Als Spätfolge kann es manchmal vorkommen, dass sich im Bereich des bestrahlten Gewebes bleibende Vernarbungen bilden.

Insgesamt sind die geschilderten möglichen Nebenwirkungen der Protonentherapie sehr individuell und neben dem Bestrahlungsort auch von der Dosis, der Häufigkeit der Bestrahlungen und von dem jeweiligen Patienten abhängig. Oftmals sind akute Nebenwirkungen auch auf andere Therapiefaktoren zurückzuführen – auf Medikamente wie Zytostatika zum Beispiel. Im Aufklärungsgespräch werden wir Sie über alle Nebenwirkungen ausführlich informieren – auch darüber, wie Sie auftretende Nebenwirkungen vermeiden und gegebenenfalls behandeln können. Während der Behandlung werden Sie außerdem beobachtet, womit wir plötzlich auftretende Risiken auf ein Minimum reduzieren.

Kann die Protonentherapie mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden?

Ja. Die Protonenbehandlung kann wie die Photonenbehandlung mit der Chemotherapie einer antihormonellen Therapie kombiniert werden.

Wie kann ich Kontakt aufnehmen?

Wir haben ein Case-Management-Team etabliert, das als erster Ansprechpartner für Patienten, Angehörige und zuweisende Ärzte zur Verfügung steht. Grundsätzlich werden Sie dabei als Patient bis zum Behandlungsbeginn von immer nur einem Mitarbeiter betreut, sodass Sie zu jeder Zeit wissen, wen Sie ansprechen können. Für eine Therapieanfrage nutzen Sie einfach unser Kontaktformular.

Gibt es Vereinbarungen zur Kostenübernahme mit den Krankenkassen?

Das WPE hat vertragliche Vereinbarungen mit verschiedenen gesetzlichen und privaten Krankenkassen, welche die Behandlungskosten übernehmen. Auch andere Krankenkassen erstatten die Therapie. Bei einigen ist die Kostenübernahme jedoch auf Patienten mit einer mittleren bis hohen Risikokonstellation beschränkt. In jedem Fall unterstützen und beraten wir Sie bei der Kostenklärung, sollte die Protonentherapie eine effektive Behandlungsmöglichkeit für Sie darstellen.

Besteht die Möglichkeit auf eine Unterbringung während der Behandlung?

Das WPE liegt zentral im Essener Stadtteil Holsterhausen, umgeben von Rüttenscheid, Frohnhausen, Margaretenhöhe, Südviertel und Stadtmitte. Sollte während Ihrer Behandlung aufgrund längerer Fahrzeiten eine Unterkunft vonnöten sein, bietet die Lage ausgezeichnete Möglichkeiten für eine temporäre Unterbringung. Unser Case Management unterstützt Sie dabei – und organisiert gemeinsam mit Ihnen eine entsprechende Wohn-Möglichkeit.

  • Informationen zur Prostatakrebs-Behandlung

    Laden Sie sich hier unseren Flyer mit Informationen zur Behandlung von Prostatakrebs mit der Protonentherapie herunter!

  • Flyer herunterladen

Über uns

Als eine der führenden Einrichtungen für die Strahlentherapie mit Protonen gehören wir zu den modernsten Protonentherapiezentren weltweit. Unser großes Team aus exzellenten Fachärzten, hochspezialisierten Medizin-Physikern, erfahrenen medizinisch-technischen Radiologieassistenten (MTRA) und vielen weiteren Fachkräften zeichnen uns dabei im besonderen aus. Als Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Essen und damit auch Teil des größten onkologischen Schwerpunktzentrums, des Westdeutschen Tumorzentrums garantieren wir unseren Patienten eine Behandlung auf höchstem medizinischem Niveau.

WPE Partner Westdeutsches Tumorenzentrum Netzwerk Logo

Zertifizierungen