Was ist Protonentherapie?

Die Protonentherapie ist eine moderne und präzise Form der Strahlentherapie zur Behandlung von Krebserkrankungen, die aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften als besonders schonend und wirksam gilt. Seit Jahrzehnten wird sie weltweit eingesetzt. Mit technischem Fortschritt und zunehmenden Investitionen wird Protonentherapie immer flächendeckender verfügbar und für immer mehr Indikationen eingesetzt.

Bislang wurden weltweit bereits mehr als 150.000 Patienten mit Protonen behandelt. Als Standardindikationen für eine Protonentherapie gelten heute bereits die Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis sowie des Achsenskeletts, Tumoren des Augenhintergrundes und in zunehmendem Umfang solide Tumoren im Kindesalter.

Das WPE verfügt über vier Therapieräume mit verschiedenen Protonenmodalitäten und der Möglichkeit der Bildführung mittels Röntgen, CT und MRT. Da wir aktuell in der Startphase auch aufgrund der neben dem klinischen Betrieb erfolgenden Inbetriebnahme weiterer Räume und Systeme eine begrenzte Kapazität haben, werden wir uns zunächst auf einige ausgewählte Indikationen beschränken. Diese Abwägung erfolgt vor dem Hintergrund der technischen Voraussetzungen und der potentiellen medizinischen Chancen. Mit dem technischen und kapazitativen Aufbau unserer Behandlungsräume wird die Indikationsliste stetig erweitert.

Aktuell werden am WPE insbesondere nicht-atemverschiebliche Tumoren im Kopf-, Wirbelsäulen- und Beckenbereich behandelt (also vornehmlich primäre Hirntumoren sowie Sarkome von Schädelbasis, Gesichtsschädel, Wirbelsäule und Becken). Auch Prostata-Karzinome und Nasopharynx-Karzinome finden Berücksichtigung.

Besonders für Tumoren im Kindesalter kann die hier angebotene Protonentherapie aufgrund der geringeren Belastung des noch unreifen, empfindlichen Gewebes von großem Vorteil sein. Auch jüngere Kinder (< fünf Jahren) können bei uns mit Protonen behandelt werden. Die Behandlung von Kindern stellt am WPE aktuell einen großen Schwerpunkt dar.

Seit Januar 2015 bieten wir am WPE auch die Bestrahlung des gesamten Zentralen Nervensystems (kraniospinale Behandlung) mit Protonen an. Dank der Protonenstrahlen können dabei die inneren Organe wie Herz, Darm, Schilddrüse oder weibliche Keimdrüsen geschont werden. Erstmals in Europa können hier auch Kinder in Sedierung routinemäßig Zugang zu dieser komplexen Behandlungsform erhalten.

Bewegliche Tumoren wie im Bereich der Brust, der Lunge, Leber, des Magens, Darms und der Bauchspeicheldrüse werden derzeit noch nicht behandelt.

Hier finden Sie die aktuelle Liste der am WPE behandelten Krebserkrankungen.

Behandlung Protonentherapie

Besondere Eigenschaft der Protonentherapie

Eine Strahlentherapie ist umso verträglicher, je genauer sie auf das zu zerstörende Tumorgewebe fokussiert werden kann. Und genau hier bieten die Protonen einen großen Vorteil: Die Energieabgabe der Protonen nach Eintritt ins Gewebe erfolgt zunächst nur geringfügig und steigt erst nach nahezu vollständiger Abbremsung schlagartig an – eine kleine „Explosion“, die frei und millimetergenau gesteuert werden kann. Nach dem Dosismaximum stoppt die Wirkung des Strahls dann abrupt ab, so dass unmittelbar hinter dem Tumor liegendes, gesundes Gewebe so gut wie keine Belastung erfährt.

Die Verträglichkeit der Behandlung ist für die Patienten in der Regel gut: Sie können meist ihrem Alltag nachgehen, ohne durch starke Nebenwirkungen zu stark beeinträchtigt zu sein. Natürlich sind die akuten Nebenwirkungen der Therapie aber auch von anderen Faktoren wie z.B. Medikamenteneinnahmen abhängig. Langfristig hoffen wir, mit einer Protonentherapie das Risiko für Spätfolgen oder Zweittumoren nach einer Strahlenbehandlung zu verringern.

Wirkung der Protonentherapie

Vergleich der Freisetzung von Strahlenenergie bei Photonen und Protonen in Abhängigkeit von der benötigten Eindringtiefe in den Körper (Beispiel 30 cm).

Strahlenwirkung der Protonentherapie

Ziel jeder Strahlenbehandlung ist es, Tumorzellen zu deaktivieren. Ihre Teilungsfähigkeit soll gestoppt, die Erbsubstanz der Tumorzellen irreparabel geschädigt werden. Dies bewirken ionisierende Strahlen: Sie schädigen den Kern sowie die Membran der Tumorzellen.

Allerdings kann schlimmsten Falls auch das umgebende, gesunde Gewebe leiden. Darum ist eine genaue Planung und Behandlung so wichtig, um die gezielte Wirkung im Tumor sicherzustellen und das umgebende Normalgewebe aber so wenig wie möglich zu belasten.

Interdisziplinäre Planbesprechung im WPE.

Die Technik hinter der Protonentherapie

Zusammenarbeit

Das WPE setzt die Technologie von IBA ein,  dem weltweit führenden Hersteller für Protonentherapie-Technologie.IBA