0201 723 6600
Übersicht: AktuellesErstellt am: 09.03.2026

Was passiert im Gehirn nach einer Strahlentherapie? Warum kämpfen viele Hirntumorpatient:innen noch Jahre nach der Heilung mit unerwünschten Therapiefolgen? Gibt es Möglichkeiten, diesen und ähnlichen belastenden Langzeitfolgen vorzubeugen? Ein interdisziplinäres Konsortium geht diesen komplexen Fragen mit dem Forschungsprojekt „UncovRT“ gezielt auf den Grund. Die Universitätsmedizin Essen ist mit ihren Expert:innen der Klinik für Partikeltherapie am Westdeutschen Protonentherapiezentrum Essen Teil des Konsortiums.

Hirntumore gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eine Strahlentherapie erforderlich machen. Die Behandlung ist zwar effektiv, allerdings können je nach Lage und Größe der bestrahlten Hirnareale sowie der Intensität der Bestrahlung gesunde Gehirnzellen langfristig geschädigt werden. Bei etwa einem Fünftel der Behandelten bestehen später im MRT sichtbare Veränderungen im gesunden Hirn. In bis zu 20 Prozent der Fälle können diese Veränderungen Symptome verursachen und die Lebensqualität der Krebs-Überlebenden, auch „Cancer Survivors“ genannt, spürbar einschränken.

Wissenschaftliches Projekt: UncovRT

Das Projekt UncovRT (Uncover molecular mechanisms of side effects after cranial Radiation Therapy to improve quality of life for long term survivors of brain cancer) strebt an, den Einfluss von behandlungsbedingten Veränderungen im Gehirn auf die Lebensqualität und Gehirnfunktion bei erwachsenen Patient:innen und Kindern erstmals systematisch zu erfassen. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung, Forschung und Technologieentwicklung (BMFTR) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs mit einer Fördersumme von über zwei Millionen Euro unterstützt.

In diesem Verbund arbeiten Wissenschaftler:innen an Forschungseinrichtungen in Essen, Dresden, Hamburg, Heidelberg und Dortmund eng zusammen, um eine gemeinsame Datenbank für  klinische, translationale und präklinische Daten aufzubauen. Diese Plattform soll die Grundlage für die Analyse von Veränderungen in Nachsorge-MRTs bilden, die noch Monate oder Jahre nach der Behandlung auftreten können. In präklinischen Studien mit Mausmodellen untersuchen die Forschenden biologische Mechanismen strahlenbedingter Hirnschäden und identifizieren molekulare Parameter, die das Risiko solcher Schäden vorhersagen. Parallel dazu werden bereits zugelassene Medikamente auf ihre Fähigkeit zur Vermeidung solcher Nebenwirkungen getestet. Zusätzlich sollen die daraus gewonnenen Erkenntnisse existierende Vorhersagemodelle optimieren und gezielt bei der Therapieplanung unterstützen.

Untersuchungen in Essen

An der Universitätsmedizin Essen verantwortet Prof. Dr. Beate Timmermann mit ihrem Team den pädiatrischen Schwerpunkt des Projekts. Im Mittelpunkt steht eine besonders vulnerable Patientengruppe: Kinder und Jugendliche mit Hirn- oder Schädelbasistumoren, die eine Protonentherapie erhalten haben. Protonen können gesundes Gewebe im Vergleich zur Photonenbestrahlung besser schonen. Trotzdem können auch nach hochpräziser Therapie Spätfolgen auftreten, etwa Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, Veränderungen in der Bildgebung oder seltene neurovaskuläre Komplikationen. Solche Effekte beeinflussen nicht nur Schule und Alltag, sondern auch die langfristige Teilhabe und Lebensqualität. Durch das umfangreiche Forschungsvorhaben soll ermöglicht werden, späte Veränderungen im Gehirn nicht nur zu beschreiben, sondern deren Ursachen besser zu verstehen und die Therapieplanung langfristig risikoadaptierter zu gestalten.

Nationale Dekade gegen Krebs

Welche Prozesse jedoch zu diesen Folgen führen, ist weitgehend unbekannt. Daher werden Projekte gefördert, die die Ursachen der Langzeitfolgen besser verstehen und Grundlagen für neue Präventionsmaßnahmen entwickeln, die zukünftig die Lebenserwartung und -qualität der „Cancer Survivors“ verbessern können.

Kinderbehandlung im WPE

2000. Kind im WPE

Anfang 2023 wurde das 2000. Kind im WPE behandelt. Mehr Informationen zur Protonentherapie bei Kindern im WPE gibt es über den folgenden Link:

Patient:innen Teil des Projekts

Auch Betroffene werden aktiv eingebunden: Ein erwachsener Überlebender einer Hirntumorerkrankung sowie die Mutter eines erkrankten Kindes begleiten das Projekt als Patientenvertreter:innen und bringen ihre Perspektive in Forschungsgespräche ein. Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass die beteiligten Patient:innen die Forschungsergebnisse nachvollziehen können und diese an andere „Cancer Survivors“ und ans breite Publikum vermitteln.

Projektpartner

Mit UncovRT schaffen die Partnerinstitutionen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) eine wegweisende Plattform für die Erforschung langfristiger Strahlenschäden und legen den Grundstein für zukünftige klinische Studien zur Verbesserung der Lebensqualität von Überlebenden einer Hirntumorerkrankung.

Klinik für Partikeltherapie am WPE der Universitätsmedizin Essen

Strahlenklinik des Universitätsklinikums Dresden

Strahlenklinik des Universitätsklinikums Heidelberg

Strahlenklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf

Technische Universität Dortmund

Hilfe für Patient:innen und Angehörige

Wenn Sie selbst oder Angehörige von Tumorerkrankungen des Gehirns betroffen sind, oder sich darüber informieren wollen, stehen Ihnen die Angebote des Krebsinformationsdienstes einschließlich der Vermittlung von Beratungsstellen zur Verfügung. Die Deutsche Hirntumorhilfe bietet zudem einen Hirntumor-Informationsdienst (Tel.:  03437-702 702) und eine Informations- und Kontaktstelle für Selbsthilfeaktivitäten, die lokale Patientengruppen vermittelt.


Pressekontakt

Sprecherin des Projekts:

Prof. Mechthild Krause

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Medizinische Leiterin Standort Essen:

Beate Timmermann

Universitätsklinikum Essen / Universität Duisburg-Essen

Telefon: (0201) 723 – 6607