Manche Patienten mit ZNS-Tumoren entwickeln Rückfälle. Foto: AdobeStock/Gorodenkoff

„Durchführbar und verträglich“: Re-Bestrahlung mit Protonen bei ZNS-Tumoren

Trotz bestmöglicher Erstlinientherapie entwickeln manche Patientinnen und Patienten mit Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) Rückfälle, ein Fortschreiten der Erkrankung oder eine Metastasierung. Eine erneute (Re-)Bestrahlung ist zwar oftmals als so genannte Salvage-Therapie gewünscht, birgt jedoch gerade im Hinblick auf empfindliche Strukturen wie etwa den Hirnstamm oder die Sehbahn aufgrund der kumulativen Belastung ein nicht unerhebliches Risiko. Im Rahmen einer fortlaufend in Bearbeitung befindlichen internen Datenauswertung der WPE-Registerstudien (ProReg und KiProReg) wurde die Verträglichkeit einer Re-Bestrahlung von ZNS-Tumoren mit Protonen untersucht – und kommt zu ersten Ergebnissen, die bei international derzeit nur gering verfügbaren Daten einen wertvollen Beitrag zum Thema leisten.

Analysiert wurden die Daten von 69 Patienten mit Hirntumoren, die in der Klinik für Partikeltherapie am WPE im Rahmen der prospektiven Therapiestudien KiProReg und ProReg erhoben worden sind. Die Patientinnen und Patienten im Alter zwischen zwei und 74 Jahren waren zwischen Dezember 2014 und Juli 2019 am WPE aufgrund von rezidivierten ZNS-Tumoren re-bestrahlt worden. 46 hatten zuvor eine Bestrahlung mit Photonen, 23 mit Protonen erhalten. 23 Patienten erhielten parallel zur Re-Radiotherapie (Re-RT) auch eine Chemotherapie. Assistenzärztin Katarzyna Latocha hat die Daten analysiert: „Der Zeitraum, in dem die Patienten im Anschluss beobachtet wurden, betrug im Durchschnitt 19 Monate. Im Rahmen meiner Datenanalyse wollte ich herausfinden, wie wirksam und verträglich die Re-Bestrahlung mit Protonen ist, und welche Schlussfolgerungen im Hinblick auf das Gesamtüberleben, das progressionsfreie Überleben und mögliche Nebenwirkungen gezogen werden können.“

Eine schwerwiegende Nebenwirkung nach einer Radiotherapie, insbesondere nach einer Re-RT, ist beispielsweise eine so genannte Radionekrose im gesunden Gewebe rund um den jeweiligen Tumor. Diese kann sich erst Monate, bisweilen auch Jahre nach der eigentlichen Bestrahlung entwickeln. Unter diesem Aspekt versteht sich die Protonentherapie, die eine bestmögliche Schonung des umliegenden Gewebes möglich macht, als anerkannte Alternative zur konventionellen Strahlentherapie. Das gilt insbesondere für die Behandlung von Kindern; hier ist die Protonentherapie mittlerweile etablierter Therapiestandard. Sie wird aber auch bei Erwachsenen immer häufiger eingesetzt.

Und auch im Hinblick auf eine Re-Bestrahlung scheinen sich die Vorteile der Protonentherapie für die Patienten auszuzahlen: Die Re-Bestrahlung mit Protonen bei rezidivierten Tumoren des ZNS war in der genannten Kohorte durchführbar und verträglich. Bei weniger als einem Drittel der Patienten traten während der Behandlung höhergradige Nebenwirkungen auf, nur bei drei Patienten waren es bedrohliche Nebenwirkungen. Späte höhergradige Nebenwirkungen wurden bei knapp einem Viertel der Patienten und bedrohliche nur bei drei Patienten festgestellt. Günstig wirkte sich für den Therapiererfolg dabei das zeitliche Intervall zwischen erster und zweiter Bestrahlung aus: „Ein Zeitintervall von mindestens 36 Monaten hatte einen positiven Einfluss auf das Gesamt- und das progressionsfreie Überleben.“ Tatsächlich konnte bei 40,3 Prozent der Patienten nach einem Jahr trotz eingeschränkter Prognose in der rezidivierten Tumorsituation eine Tumorkontrolle erzielt werden.

Diese ersten Erkenntnisse können zukünftig dazu beitragen, die Therapieoptionen für Patienten auch im Hinblick auf eine wiederholte Radiotherapie zu optimieren. Um die Möglichkeiten der Protonentherapie im Rahmen einer Re-Bestrahlung noch besser einschätzen zu können, sind jedoch weitere prospektive Untersuchungen mit größeren Kohorten und längerer Nachbeobachtungszeit notwendig.