• Kooperation WPE und Kinderklinik III

    Von den Möglichkeiten einer Protonentherapie profitieren insbesondere junge Patienten.

    Kooperation WPE und Kinderklinik III

    Effektiv und dabei deutlich schonender als andere Bestrahlungstechniken: Von einer Protonentherapie profitieren insbesondere Kinder. Gerade diesen eine umfassende Betreuung und exzellente medizinische Versorgung zukommen zu lassen, war erklärtes Ziel des WPE schon bei seiner Eröffnung. Vor genau vier Jahren wurde der erste Patient am Westdeutschen Protonentherapiezentrum behandelt. Bereits einen Monat später das erste Kind. Heute steht den jüngsten Patienten des WPE ein interdisziplinäres Expertenteam um Prof. Dr. med. Beate Timmermann, einer erfahrenen Spezialistin in der Behandlung von kindlichen Tumoren, zur Seite. Einer der wichtigsten Kooperationspartner: die Kinderklinik des Universitätsklinikums Essen (UK Essen).

    „Erkenntnisse, die bei der Behandlung erwachsener Krebspatienten gewonnen werden“, sagt Prof. Timmermann, „lassen sich nicht einfach auf Kinder übertragen. Die kleinen, unausgereiften Körper reagieren im Wachstum anders auf die Behandlung; auch können junge Patienten oft keine oder nur schwer verlässliche Rückmeldungen über ihr Befinden geben. Wir Strahlentherapeuten benötigen daher immer auch Unterstützung durch erfahrene Kinderärzte“. Und das natürlich unmittelbar vor Ort, im WPE. „Wir therapieren Kinder aus ganz Deutschland und dem Ausland; die jeweiligen Kinder- und Jugendonkologen aus den Heimatkliniken können die medizinische Begleitung in Essen deshalb oft nicht selber weiterführen.“ Hier beginnt die Arbeit der in der Klinik für Partikeltherapie angestellten Kinderonkologin, Dr. med. Claudia Plass, und dem Team der Kinderklinik III: Sie sehen die Kinder regelmäßig und beraten das strahlentherapeutische Team bereits bei der Planung. Ihre Ausbildung erhielt Dr. Plass in der Kinderklinik des UK Essen und ist daher eine wichtige Verbindung in die Kinderonkologie in Essen.

    Die große Anzahl an jungen Patienten und die teils hohe Komplexität der Erkrankungen erfordert eine feste Kooperation des WPE mit der Kinderklinik III des UK Essen, einem der größten kinderonkologischen Zentren in Deutschland. „Unsere Kinder werden ein bis zweimal wöchentlich einem Kinderonkologen der Kinderklinik vorgestellt, der insbesondere eine simultane Chemotherapie koordiniert und ihre Verträglichkeit überwacht, allgemeinpädiatrische und spezifisch onkologische Fragestellungen mit den Patienten und Eltern bespricht und beratend bei strahlentherapeutischen oder anästhesiologischen Problemen zur Seite steht“, erklärt Prof. Timmermann. Seit etwa zwei Jahren finden diese Kontrolluntersuchungen direkt in den Räumen des WPE statt. So werden die Wege kurz gehalten – in vielerlei Hinsicht: Der Austausch zwischen den Spezialisten erfolgt unmittelbar, und den Patienten bleibt ein umständlicher Wechsel zwischen den Kliniken auf dem Campus des UK Essen erspart. „Bereits bei der Planung versucht unser Case Management, die Termine im WPE und in der Kinderklinik so zu koordinieren, dass die Patienten nur einmal anreisen müssen und dann auch möglichst geringe Wartezeiten zwischen den Terminen haben.“


    Die Pädiatrische Hämatologie/Onkologie der Kinderklinik III am Universitätsklinikum Essen unter der Leitung von Prof. Dirk Reinhardt gehört zu den größten kinderonkologischen Zentren in Deutschland. Es werden alle Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sowie alle Erkrankungen des Blutes, der Blutbildung und Blutgerinnung diagnostiziert und behandelt. Alle erforderlichen Behandlungsmöglichkeiten einschließlich Chemotherapie und Stammzelltransplantation stehen zur Verfügung. Klinische Schwerpunkte sind die Behandlung von Retinoblastomen, Akuten Leukämien, Ewing-Sarkomen sowie von Hirntumoren. Hinzu kommt die Stammzelltherapie für bösartige Erkrankungen, Immundefekte oder schwere angeborene Erkrankungen des Knochenmarks. Neben der Behandlung der Patienten aus der Ruhrregion werden durch die jeweiligen Experten der Kinderonkologie Essen über nationale Grenzen hinaus die Referenzzentren  für akute myeloische Leukämien, Retinoblastome, Hirntumore-Rezidive und Ewing-Sarkome geleitet. Im Jahr 2016 wurden ca. 2000 Patienten stationär sowie ca. 8000 Patienten ambulant behandelt. Von 176 Neudiagnosen entfielen 140 auf Leukämien und solide Tumoren; zudem wurden 36  hämatologische Patienten (Sichelzellerkrankung, Thalassämie und andere) behandelt. Das WPE und die Kinderklinik III versorgten im Jahr 2016 zusammen insgesamt 166 Kinder mit onkologischen Erkrankungen (davon 122 aus anderen Kliniken) .


    Im Vorfeld werden bereits detaillierte Patienteninformationen angefordert. Dr. Stephan Tippelt ist Funktionsoberarzt in der Kinderklinik III und derzeit mit einem Team für die Kinder des WPE zuständig. Er erklärt: „In jedem Fall erfolgt zunächst eine genaue Sichtung der jeweiligen Unterlagen, damit wir über den bisherigen Krankheitsverlauf gut informiert sind. Bereits diese Sichtung nimmt pro Kind oft mehrere Stunden in Anspruch. Denn für die geplante Therapie müssen wir unter anderem genau wissen, welche Maßnahmen oder Komplikationen in der Vergangenheit stattgefunden haben.“ Ist parallel zur Bestrahlung beispielsweise auch eine Chemotherapie notwendig, wird diese nach Bedarf ambulant oder stationär in der Kinderklinik durchgeführt. Bei Notwendigkeit wird auch eine akute stationäre Aufnahme in die Wege geleitet, etwa wenn es einem Kind unter der Therapie nicht gut geht oder weil eine ambulante Bestrahlung mit täglicher Sedierung auf Grund eines Infektes oder der Nebenwirkungen der bisherigen Therapie nicht möglich ist. Dr. Tippelt: „Durch die wöchentlichen Kontrollen haben wir den Zustand und Verlauf jedes einzelnen Kindes immer im Blick, können im Bedarfsfall direkt intervenieren und müssen uns nicht alleine auf Akten verlassen.“ Auch werden alle Patienten des WPE im Tumorboard der Kinderklinik vorgestellt und besprochen, unabhängig davon, ob sie sich direkt mit einer Überweisung für eine Protonentherapie im WPE gemeldet haben oder als Patienten anderer Kinderkliniken zur Protonentherapie vorgestellt werden sollen. An diesen Besprechungen nimmt immer auch ein Facharzt der Klinik für Partikeltherapie teil.

    Insgesamt also eine weitreichende Kooperation, von der die Patienten profitieren:  „Zu uns kommen Kinder mit verschiedenen onkologischen Erkrankungen aus allen denkbaren Regionen. Durch die Zusammenarbeit mit dem WPE haben wir unser Therapieangebot umfassend erweitert und können unseren Patienten nun auch eine moderne Protonentherapie mit entsprechender Expertise direkt vor Ort anbieten“, resümiert Dr. Tippelt.

    Dr. Stephan Tippelt

    Dr. Stephan Tippelt ist Funktionsoberarzt der Kinderklinik III am UK Essen und Facharzt für Kinderheilkunde mit Schwerpunkt Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Er studierte an der Universität Göttingen und absolvierte seine Facharztweiterbildung an der Kinderklinik des Helios Klinikum Erfurt, der Vestischen Kinderklinik Datteln und der Kinderklinik des Universitätsklinikum Essen. Im Rahmen seiner Schwerpunktweiterbildung in der Kinderonkologie des Uniklinikum Essen beschäftigte er sich insbesondere mit Hirntumoren und ihren Rezidiven. Seit 2011 ist er als Studienassistent und aktueller stellvertretender Leiter des HIT-REZ-Registers unter der Leitung von Frau Prof. Fleischhack tätig. Sein Arbeits- und Forschungsschwerpunkt liegt in der Behandlung von Hirntumoren und ihren Rezidiven, Auswertung klinischer Verläufe zur Wertung der Stellung einzelner Therapieelemente und der Erforschung neuer diagnostischer sowie therapeutischer Ansätze. Dr. Tippelt ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (GPOH) und der European Society for Paediatric Oncology (SIOPE).
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