Die Mitarbeiterinnen des Case Managements sind direkter Ansprechpartner für die Patienten des WPE. Links: Franziska Herbst, rechts Vanessa Schott.

Mitarbeitervorstellung: Franziska Herbst, Case Management WPE

Sie sind erste Ansprechpartner für Zuweiser und Patienten/innen des WPE aus dem In- und Ausland: die Mitarbeiterinnen des Case Managements. Sie kümmern sich um Anträge und verwaltungstechnische Fragen, erläutern Abläufe, empfehlen Unterkünfte – klären aber mit Hilfe der Ärzte des WPE zunächst die für die Betroffenen wichtigste Frage: Kommt bei meiner Erkrankung eine Protonentherapie überhaupt infrage? Franziska Herbst gehört seit 2015 zum Case Management und hat dort eine für sie „perfekte Mischung aus direktem Patientenkontakt und strukturierter Organisation“ gefunden.

Das Aufgabenfeld des vierköpfigen Case Management-Teams um Dipl.-Pflegemanagerin Esengül Pohl ist vor allem eines: vielfältig. Neben Aufklärungsgesprächen mit den Patienten, in denen beispielsweise die Kosten geklärt, notwendige Dokumente besprochen, Fahrtkostenfragen geregelt und der eigentliche Ablauf der Protonentherapie erklärt werden, müssen die Mitarbeiterinnen auch die freien Behandlungskapazitäten genau im Blick behalten. „Letzteres geschieht in enger Abstimmung mit den Ärzten, der leitenden MTRA und dem Terminbüro“, erläutert Franziska Herbst. Hinzu kommen aktuell die Digitalisierung sämtlicher Patientenakten zur Optimierung der Prozesse sowie die regelmäßige Unterstützung des hauseigenen Qualitätsmanagements durch die aktive Teilnahme an Qualitätszirkeln. Und doch, sagt Herbst, beginnt jeder neue Fall zunächst mit ein und derselben Frage: Ist die Protonentherapie die richtige Therapie für mich?

„Um das beurteilen zu können, sind wir zunächst auf einen vollständigen Arztbrief angewiesen. Denn es gibt auch Situationen, Metastasen zum Beispiel, für die wir leider nicht der richtige Ansprechpartner sind. Andere Fälle wiederum lassen sich sofort einordnen und werden angenommen. Grenzfälle oder besonders komplexe Diagnosen, bei denen nicht sofort ersichtlich ist, ob nicht vielleicht zuerst eine Chemotherapie oder eine OP angeraten sind, gehen zur Beurteilung erst einmal an unsere Ärzte.“ Mehrmals täglich stimmt sich das Case Management hausintern mit den verschiedenen Mitgliedern des medizinischen Personals ab. Hinzu kommt der Austausch mit den zuweisenden Ärzten, den Krankenversicherungen, sozialen Einrichtungen und weiteren Kliniken des Universitätsklinikums Essen, schließlich sind viele der für WPE-Patienten wichtigen Disziplinen im Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) eng miteinander vernetzt wie etwa die Kinderonkologie, die Kinderendokrinologie, die Urologie sowie die HNO- oder Augenklinik. „Für unsere Patienten ist es sehr wichtig, dass sie von Experten aus unterschiedlichen medizinischen Bereichen unterstützt werden. Gerade die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Kinderklinik und der Kinderendokrinologie zum Beispiel ist sehr eng.“

Dabei fällt nicht nur die Organisation dieser Abläufe in das Aufgabenfeld des Case Managements, sondern auch deren Erklärung. „Wir erläutern den Patienten den kompletten Prozess und begleiten sie unmittelbar bis zum ersten Bestrahlungstermin.“ Im angestrebten Idealfall haben die Patienten in dieser Zeit stets den gleichen Ansprechpartner. Hilfreich ist für Franziska Herbst gerade in diesem Zusammenhang der eigene berufliche Hintergrund: Sie ist ausgebildete Medizinisch-Technische Radiologieassistentin. „Die Radiologie hat einen Bezug zur Strahlentherapie, was es für mich sehr viel leichter macht, die medizinischen Abläufe am WPE zu verstehen – und sie entsprechend verständlich auch an unsere Patienten weiterzugeben.“ Dass sie im Case Management heute eine andere Form von Patientenkontakt hat als zu ihrer Zeit als MTRA, empfindet sie dabei nicht als Nachteil. „Eine Arbeit ganz ohne jede Nähe zu den Patienten wäre tatsächlich nichts für mich. Aber ich arbeite gerne strukturiert, organisiere gerne eigenständig.“ Weshalb sie parallel zu ihrer MTRA-Ausbildung auch ein Bachelor- und Masterstudium in Gesundheits- und Pflegewissenschaften bzw. Medizinmanagement absolviert hat – und dann ins Case Management am WPE wechselte. „Hier habe ich für mich persönlich die perfekte Mischung aus direktem Patientenkontakt und strukturierter Organisation gefunden.“

Und mehr noch: „Es gibt wahrscheinlich nur wenige andere Gesundheitseinrichtungen, die derart international arbeiten wie das WPE. Zu uns kommen nicht nur Menschen aus ganz Deutschland, sondern aus dem gesamten EU-Raum. Und auch Patienten aus dem außereuropäischen Ausland werden bei uns behandelt.“ Die größte Gruppe ausländischer Patienten stammt aus den Niederlanden, andere reisen aus Irland, Spanien, Griechenland oder China an. Menschen, für die das Case Management im Bedarfsfall auch Dolmetscher besorgt oder die bei der Suche nach einer Unterkunft unterstützt werden müssen. „Das Uniklinikum hat einige eigene Appartements, zudem stehen wir in engem Kontakt mit der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder e. V. und dem Ronald McDonald-Haus, zwei nahe Einrichtungen, die ebenfalls Zimmer zur Verfügung stellen.“

Unterkunftsempfehlungen, Aufklärungsgespräche, Termine für eine hochmoderne Therapie und eine umfassende ärztliche Betreuung: All das zu organisieren, sagt Herbst, „ist ungemein spannend und anspruchsvoll“. Eben Teil eines Aufgabenfeldes, das nicht nur wichtig, sondern vor allem eines ist: vielfältig.

Franziska Herbst erwarb parallel zu ihrer Ausbildung als Medizinisch-Technische Radiologieassistentin einen Bachelor of Science in Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie zum Thema „Dienstplangestaltung im Krankenhaus – Eine Analyse von Dienstplänen nach arbeitsrechtlichen und arbeitsergonomischen Kriterien“. 2015 schloss sie zudem ein Studium an der Universität Duisburg-Essen mit einem Master of Arts im Fachbereich „Medizinmanagement für Mediziner und Gesundheitswissenschaftler“ ab. Ihr Abschlussthema: „Computertomografien im Kindes- und Jugendalter – Ein Risikofaktor für strahleninduzierte Tumoren?“