Prof. Dr. med. Ken Herrmann (2.v.l.) und Prof. Dr. med. Beate Timmermann gemeinsam mit zwei Vertretern von Siemens Healthineers bei der Einweihung des neuen PET/CT.

Präziser, schneller, komfortabler: Neues digitales PET/CT-System am WPE

Mit einem neuen digitalen PET/CT im WPE setzt die Universitätsmedizin Essen seit Anfang Juli neue Standards in der Patientenversorgung: Dank hochmoderner Technik und präziserer Bildgebung garantiert das PET/CT-System Biograph Vision im Vergleich zu herkömmlichen PET/CT deutliche diagnostische Vorteile bei wesentlich kürzerer Untersuchungsdauer. Das Gerät wird im Rahmen einer interdisziplinären Kooperation gemeinsam mit der Klinik für Nuklearmedizin (NUK) und dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie (RAD) des Universitätsklinikums Essen (UK Essen) betrieben. Die Förderung erfolgte über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Präziser, schneller, komfortabler: Das Biograph Vision-System setzt in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe in der PET/CT-Bildgebung. Diese zählt mittlerweile zu den wichtigsten diagnostischen bildgebenden Verfahren und verbindet die Möglichkeiten der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) mit jenen der Computer-Tomografie (CT). Auf diese Weise werden Fusionsbilder möglich, die genaueste Informationen etwa zur Lokalisierung von Tumoren sowie zur Vorbereitung bzw. Planung von Operationen und Bestrahlungsplänen liefern.

Während CT-Aufnahmen über Röntgenstrahlen die unterschiedlichen Gewebestrukturen von Knochen, Organen und Hohlräumen darstellen, werden über die Positronen-Emissions-Tomografie Stoffwechselprozesse von Tumorzellen sichtbar. Prof. Dr. med. Ken Herrmann, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin: „Dazu werden den Patienten abhängig von der jeweiligen Krebsart bestimmte Tracer mit kurzer Halbwertzeit, beispielsweise schwach radioaktive Zuckerderivate, gespritzt, die sich in aktiven Krebszellen sammeln. Die Strahlung, die sie dabei abgeben, wird über das PET-System dargestellt – und das Tumorgewebe kann exakt vom gesunden Gewebe abgegrenzt werden. Zudem können diese Prozesse dann direkt den Strukturen im CT zugeordnet werden.“ Das Entscheidende: Die Erkennung der Krebszellen erfolgt oftmals deutlich früher als bei anderen bildgebenden Verfahren; zugleich kann der ganze Körper auf mögliche Metastasen untersucht werden. „Ein PET/CT ist deshalb mittlerweile auch unerlässlich bei der Ver­laufs­kon­trol­le nach einer Che­mo- oder Strah­len­the­ra­pie.“

2001 wurde am UK Essen eines der ersten PET/CT-Geräte weltweit in Betrieb genommen; 2009 folgte das zweite. Mittlerweile werden mehr als 20 klinisch indizierte PET/CT-Untersuchungen täglich durchgeführt; routinemäßig sind mehr als zehn unterschiedliche PET-Tracer im Einsatz. Prof. Dr. med. Michael Forsting, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie: „Allein 2016 hatten wir am UK Essen mehr als 6000 PET-Ganzkörperuntersuchungen. Steigende Patientenzahlen sowie zeitaufwendige wissenschaftliche Untersuchungen haben jetzt die Anschaffung eines neuen PET/CT-Systems notwendig gemacht, das unseren veränderten Ansprüchen in Sachen Leistungsfähigkeit und Datenqualität Rechnung trägt.“

Dass der neue Siemens Biograph Vision nun am WPE steht, ist dabei alles andere als Zufall. Prof. Dr. med. Beate Timmermann, Direktorin der Klinik für Partikeltherapie und ärztliche Leiterin des WPE: „Für eine zukunftsweisende Ausrichtung des Protonentherapiezentrums ist ein PET/CT am WPE ein wichtiger Meilenstein. PET/CT Untersuchungen sind für einen wesentlichen Teil der Patienten Voraussetzung für eine Hochpräzisionstherapie und für das Verständnis der Zusammenhänge von Stoffwechselaktivität und Tumorwachstum. Dass wir nun gemeinsam mit der NUK und der RAD auf ein Gerät der neusten Generation auch unter der Protonentherapie zurückgreifen können, öffnet neue Horizonte in unserem onkologischen Spitzenzentrum.“

Mit der neuen Technik, so das Fazit der drei Experten, sind enorme diagnostische Vorteile verbunden. Extrem kleine LSO-Kristallelemente (Lutetiumoxyorthosilicat) sowie Silizium-Photomultiplikatoren anstelle der branchenüblichen Photomultiplikatorröhren beispielsweise machen eine deutlich höhere räumliche Auflösung als bislang üblich möglich. Die branchenweit schnellste Time-of-Flight (TOF) mit einer zeitlichen Auflösung von nur 214 Pikosekunden und eine dreimal so hohe effektive Sensitivität wie bei anderen modernen Geräten wiederum garantieren eine höhere Bildqualität und damit eine genauere Darstellung etwaiger Läsionen. Und auch aus rein „praktischer“ Sicht überzeugt das neue System. Prof. Herrmann: „Die Scanzeit verkürzt sich um den Faktor 3,9 – die Untersuchung kann also deutlich schneller als bislang erfolgen. Zugleich sind geringere Tracer-Dosierungen und damit eine geringere Strahlenbelastung möglich. Für unsere Patienten hat das enorme Vorteile.“

Und die resultieren nicht nur aus dem hochmodernen, technischen „Innenleben“ des Systems, sondern beginnen bereits mit dessen eigentlicher Öffnung: Diese bietet mit 78 Zentimetern mehr als 10 Prozent mehr Platz als branchenüblich. Das komme, so Prof. Herrmann, „gerade etwas ängstlicheren Patientinnen und Patienten sehr entgegen, bedeutet grundsätzlich mehr Komfort und erleichtert zugleich unseren MTRA die Patientenlagerung“. Letztere profitieren zudem von einer neuen Software-Plattform und Funktionen, die etwa die regelmäßige Kalibrierung des Gerätes und Qualitätskontrollen erleichtern. Zugleich ist grundsätzlich die Nutzung von mehr Daten als bislang möglich, da beispielsweise Atem- oder Herzbewegungen korrigiert werden. „Alles in allem“, resümiert der Chef der Nuklearmedizin, „setzen wir hier einen komplett neuen Standard in der Patientenversorgung“.