
6000. Patienten-
behandlung im WPE
Mit Protonen gegen einen Hirntumor
Ein besonderer Meilenstein für das WPE: Der 6000. Patient wird aufgrund eines Oligodendroglioms mit Protonen bestrahlt. Die Protonentherapie ermöglicht dabei eine besonders präzise Behandlung und kann helfen, gesundes Hirngewebe außerhalb des Tumorziels möglichst gut zu schonen und somit langfristige Nebenwirkungen zu reduzieren.
Wenn Treppensteigen plötzlich schwerfällt
Herr Konrad ist gerade 60 Jahre alt, als er über mehrere Monate bemerkt, dass sich sein Gang verändert hatte. Beim Gehen fühlte er sich zunehmend unsicher. Besonders beim Hinuntergehen von Treppen fiel ihm auf, dass es ihm schwerfiel, nach unten zu schauen. Auch Menschen aus seinem Umfeld bemerkten die Veränderung und sprachen ihn darauf an.
Eine MRT-Untersuchung im Frühjahr 2026 brachte schließlich Gewissheit: Im Gehirn zeigte sich ein Tumor. Eine anschließende stereotaktische Biopsie unter Wachbedingungen am St. Barbara-Klinikum in Hamm ermöglichte dann die feingewebliche und molekulare Diagnose eines speziellen Hirntumors, eines „Oligodendroglioms“ des zentralen Nervensystems (CNS WHO-Grad 2). Oligodendrogliome gehören zu den Gliomen und damit zu den primären Hirntumoren. Die Einordnung als WHO-Grad 2 beschreibt einen eher niedriggradigen Tumor, der in der Regel langsamer wächst als höhergradige Gliome. Gerade bei solchen Erkrankungen spielt deshalb neben der wirksamen Behandlung des Tumors auch die langfristige Schonung des gesunden Gehirns eine wichtige Rolle.
Ein Tumor an einer besonders empfindlichen Stelle
Bei Herrn Konrad kommt eine besondere Situation hinzu: Der Tumor liegt links präzentral, also in unmittelbarer Nähe von Hirnregionen, die für die Steuerung von Bewegungen eine wichtige Rolle spielen. Eine operative Entfernung wäre deshalb nur unter Inkaufnahme erheblicher funktioneller Einschränkungen möglich gewesen. Daher wurden nach der Biopsie alternative Behandlungsmöglichkeiten des Tumors besprochen.
Herr Konrad stellte sich auf Anraten seiner bisherigen Ärzte in der Neuroonkologie von Prof. Dr. Kleinschnitz der Universitätsmedizin Essen vor. Im interdisziplinären Tumorboard wurde eine kurativ ausgerichtete Radiochemotherapie empfohlen. Die Strahlentherapie ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und muss nach den vorhandenen Leitlinien zeitnah nach der Operation beziehungsweise Biopsie beginnen.
Warum Protonentherapie bei einem Oligodendrogliom?
Grundsätzlich ist die moderne Photonenbestrahlung, beispielsweise mit einer intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT), ein etabliertes Verfahren zur Behandlung von Hirntumoren. Bei Herrn Konrad ging es bei der Wahl der Protonentherapie deshalb besonders darum, mit Protonen eine bessere Schonung des gesunden Teils seines Gehirns zu erreichen als mit Photonen.
Dabei kommen die besonderen physikalischen Eigenschaften der Protonentherapie zum Tragen: Während Photonen auf ihrem Weg durch den Körper sowohl beim Eintritt als auch beim Austritt Strahlendosis abgeben, können Protonen ihre Dosis gezielter im Bereich des Tumors deponieren. Über den sogenannten Bragg-Peak lässt sich die Dosis im Zielgebiet konzentrieren; hinter dem Zielvolumen ist dadurch keine Austrittsdosis mehr vorhanden.
Dadurch kann bei geeigneter individueller Planung die Strahlenbelastung des nicht vom Tumor betroffenen Hirngewebes reduziert werden. Genau diese Eigenschaft macht die Protonenbestrahlung für bestimmte Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren bzw. Tumoren im Kopfbereich sehr vielversprechend.
Bei Herrn Konrad ist die Schonung des gesunden Gehirns besonders relevant. Der Tumor befindet sich in der linken Präzentralregion und damit in der Nähe funktionell wichtiger Strukturen. Das Ziel der Protonentherapie ist deshalb, das Behandlungsgebiet präzise zu erfassen und gleichzeitig möglichst wenig gesundes Hirngewebe zu belasten.
Vom Intensivpfleger zum Patienten
Den Krankenhausalltag kennt Herr Konrad aus seiner langjährigen Tätigkeit als Intensivpfleger bestens. Heute ist er medizinischer Berater für Herzschrittmacher und Neuromodulationssysteme. Daher kennt er auch das Universitätsklinikum Essen aus seiner beruflichen Tätigkeit.
Nun erlebt er Medizin aus einer völlig anderen Perspektive: als Patient.
Umso mehr weiß er die menschliche Seite seiner Behandlung zu schätzen. Über das Behandlungsteam am WPE äußert er sich ausgesprochen positiv. Er fühle sich hier sehr gut aufgehoben. Besonders schätze er, dass er bei seinen Besuchen immer freundlich begrüßt und mit seinem Namen angesprochen werde.
Was für Außenstehende vielleicht selbstverständlich klingt, macht für Herrn Konrad einen wichtigen Unterschied. Denn neben der medizinischen Qualität sind es auch Aufmerksamkeit, persönliche Ansprache und ein vertrauensvolles Miteinander, die eine Behandlung begleiten.
6000 Patienten – 6000 persönliche Geschichten
Mit Herrn Konrad hat das WPE inzwischen den 6.000. Patienten behandelt. Seit Beginn der Patientenbehandlungen am WPE steht diese Zahl für 6.000 Menschen mit ganz unterschiedlichen Diagnosen, Lebenswegen und persönlichen Geschichten.
Für das WPE ist dieser Meilenstein deshalb weit mehr als eine Zahl. Er steht für die Erfahrung aus tausenden Protonenbehandlungen, für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Protonentherapie und für die menschliche Unterstützung von betroffenen, wo die jeweilige Erkrankung und die persönliche Situation jedes Einzelnen im Mittelpunkt stehen.
Herr Konrad ist dabei ein gutes Beispiel: Als 6000. Patient des WPE wird er wegen eines Oligodendroglioms mit Protonen behandelt. Seine Geschichte zeigt, warum die Protonentherapie bei vielen Hirntumoren und Tumoren im Kopfbereich eine wichtige Behandlungsoption darstellt – insbesondere dann, wenn eine präzise Bestrahlung und die möglichst gute Schonung empfindlicher Strukturen im gesunden Gehirn von besonderer Bedeutung sind.
Wir wünschen Herrn Konrad für seine weitere Behandlung alles Gute und bedanken uns für sein Vertrauen in das WPE.
Pressekontakt
Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE)
Medizinische Leiterin: Prof. Dr. med. Beate Timmermann
Hufelandstraße 55
45147 Essen
Redaktion: Dr. Stefanie Schulze Schleithoff und Liane Ohlms, Tel. 0201-723-6600, E-Mail schreiben
6000 Patient:innen im WPE
In nur etwas über 13 Jahren wurden bis August 2026 über 6000 Patient:innen behandelt. Fast die Hälfte davon hatte einen Hirntumor bzw. Tumor des Zentralen Nervensystems.
Die häufigste Indikation bei Hirntumoren waren, nach den Medulloblastomen, die Gliome, gefolgt von Ependymomen und Meningeomen.
Alle haben gemein, dass sie im Kopfbereich in der nähe zu wichtigen, gesunden Hirnstrukturen liegen.
Neuroonkologisches Zentrum
Im Westdeutschen Zentrum für Neuroonkologie am Universitätsklinikum Essen werden Patientinnen und Patienten mit Tumoren des Gehirns und des Nervensystems fachübergreifend betreut. Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Disziplinen arbeiten eng zusammen und beraten jeden Fall gemeinsam in interdisziplinären Tumorkonferenzen. So können die Befunde umfassend bewertet und die individuell passende Behandlung geplant werden.
Einer von 6000

6000 Behandlungen sind auch 6000 Mal Teamarbeit: Medizin, Technik und Organisation greifen im WPE jeden Tag ineinander, damit Patientinnen und Patienten bestmöglich behandelt werden können. Diesen besonderen Meilenstein hat das gesamte Team bei einem gemeinsamen Mittagessen gefeiert.
Dazu kamen u.a. die KollegInnen aus dem Ronald-McDonald-Haus. Dort ist aktuell ein ehemaliger Patient von uns als FSJ’ler tätig. Er hatte während seiner Behandlung im WPE im RMcD-Haus gewohnt.
Auch er ist einer von unseren 6000 Patient:innen.
