Therapieoptimierungsstudie SIOP-Ependymoma II

Etwa 30 Kinder und Jugendliche erkranken jährlich deutschlandweit an so genannten Ependymomen – aggressiven Tumoren des zentralen Nervensystems, die meist im Bereich des Kleinhirns auftreten, seltener im Großhirn oder im Bereich des Rückenmarks. Doch nicht allein die heikle Lage der Tumoren macht die Therapie von Ependymomen zu einer besonderen Herausforderung, sondern auch das meist sehr junge Alter der betroffenen Kinder und die oftmals postoperativ verbleibenden Tumorresiduen. Ein europäisches Forscherteam sucht im Rahmen der Studie „SIOP-Ependymoma II“ deshalb nach optimierten Therapiemöglichkeiten. Seit 2019 ist die Studie auch in Deutschland für Patienten mit intrakraniellem oder spinalem Ependymom geöffnet. Die Klinik für Partikeltherapie am WPE hat bereits vor offiziellem Studienstart in Deutschland als eines der ersten deutschen Radiotherapie-Zentren das aufwendige Strahlentherapie-Qualitätssicherungsprogramm absolviert und behandelt neben Patienten aus Deutschland auch Studienpatienten aus europäischen Partnerländern.

Prof. Dr. med. Beate Timmermann, Ärztliche Leiterin des WPE, ist als Referenzstrahlentherapeutin in Deutschland für die Beratung der deutschen Patienten und die Qualitätssicherung der national durchgeführten Bestrahlungen zuständig. Die Studie soll, unterteilt in verschiedene Patientengruppen, unterschiedliche Fragen beantworten. Das übergreifende Ziel, fasst Prof. Timmermann zusammen „lässt sich relativ einfach skizzieren: Eine Verbesserung der Überlebenschancen und der Lebensqualität bei jungen Patienten mit einem Ependymom durch eine Optimierung der Diagnose- und Therapieverfahren“.

Die SIOP-Ependymoma II-Studie sucht daher gezielt nach Verbesserungen der Diagnose- und Behandlungsverfahren, um größtmögliche Behandlungserfolge bei möglichst wenig Therapienebenwirkungen zu erzielen. Je nach dem Ergebnis der Operation (Resttumor oder kein Resttumor) und dem Alter werden die Patienten in drei Interventionelle Therapiearme, sogenannte „Strata“, eingeschlossen. Während in Stratum 1 untersucht wird, ob bei Patienten mit einer kompletten Tumorresektion eine Chemotherapie nach Strahlenbehandlung bessere Therapieerfolge verspricht, soll Stratum 2 die Frage beantworten, ob bei Patienten mit inkompletter Tumorresektion eine Chemotherapie vor Bestrahlung das Überleben verbessern kann. Die Strahlentherapie wird hierbei auch lokal intensiviert. Stratum 3 hingegen untersucht bei sehr jungen Patienten ein Vorgehen ohne Strahlentherapie und den möglichen Vorteil eines bestimmten Medikaments. Patienten, die für keines der Behandlungszweige in Frage kommen, können in einen speziellen Beobachtungsarm eingeschlossen werden, in dem dann ebenfalls die Erfahrungen gesammelt werden können.


Förderung durch die Deutsche Kinderkrebsstiftung
Die Studie SIOP Ependymom II und die strahlentherapeutische Qualitätssicherung durch Prof. Timmermann wird im Rahmen des Förderungsschwerpunktes „Behandlungsnetzwerk HIT“ von der Deutschen Kinderkrebsstiftung mit Fördermitteln unterstützt. Eingebunden ist die Studie im HIT-Behandlungsnetzwerk, das als gemeinsames, weltweit einzigartiges Projekt der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) und der Deutschen Kinderkrebsstiftung jene onkologischen Behandler und Studien vereint, die sich auf Hirntumoren im Kindesalter konzentrieren. International wird die Studie vom Centre Léon Bérard in Lyon geleitet; die Durchführung in Deutschland wird federführend vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf begleitet. Ein Großteil der deutschen Kinderkliniken beteiligt sich bereits an der Studie, unter anderem auch die Kinderklinik der Universitätsmedizin Essen. Im WPE können grundsätzlich alle Patienten im Rahmen der Studie behandelt werden, sofern sie die Einschlusskriterien der Studie erfüllen.


An der randomisierenden Studie teilnehmen können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter unter 22 Jahren. Die Strahlentherapie ist fester Bestandteil aller Studienarme, sobald die Kinder älter als ein Jahr alt sind.

Da eine Bestrahlung gerade bei sehr jungen Kindern grundsätzlich sehr herausfordernd ist und neben einer großen fachlichen Expertise modernste technische Ausstattung erfordert, unterziehen sich die teilnehmenden Radiotherapie-Zentren dabei einem strengen Qualitätssicherungsprogramm, das die Vorrausetzungen und die Konzepte der Strahlentherapie genauestens überprüft. Zusätzlich wird der einzelne Bestrahlungsplan noch vor Therapiestart durch eine unabhängige Referenzeinrichtung (in Essen und Leipzig) begutachtet. Prof. Timmermann: „Kinder sind sehr strahlenempfindlich, da sie sich im Wachstum befinden, und das noch unreife, gesunde Gewebe besonders anfällig für strahleninduzierte Nebenwirkungen ist. Tatsächlich kann man sagen, dass das Risiko einer Beeinträchtigung der normalen Entwicklung umso größer ist, je jünger die Kinder zum Behandlungszeitpunkt sind. Durch die strenge Qualitätssicherung in der SIOP-Ependymoma-II-Studie wird sichergestellt, dass die Kinder und Jugendlichen nur so intensiv wie nötig, aber gleichzeitig so schonend wie möglich behandelt werden.“ Hier kann die Protonentherapie zwei ihrer wichtigsten Vorteile ausspielen: ihre hohe Präzision und gute Schonung empfindlicher Strukturen. Aber auch die Erfahrung des WPE mit jungen Kindern mit Hirntumoren spielt hier eine wichtige Rolle, um perfekte Therapiepläne für die Patienten erarbeiten zu können.

Bislang wurden im WPE bereits 35 Studienpatientinnen und -patienten im Alter von ein bis vierzehn Jahren behandelt.

Weitere Informationen zur Studie unter Kinderkrebsinfo.de