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Übersicht: AktuellesErstellt am: 28.09.2026

Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Prof. Dr. med. Beate Timmermann zur Strahlentherapie bei embryonalen Tumoren im Kindesalter wurde in der Fachzeitschrift „Die Onkologie“ veröffentlicht. Die Arbeit gibt einen Überblick über aktuelle Behandlungskonzepte und die Rolle der Strahlentherapie bei dieser besonderen Gruppe von Tumorerkrankungen. Im Mittelpunkt stehen eine risikoadaptierte Therapie, eine möglichst gute Tumorkontrolle und die Vermeidung langfristiger Nebenwirkungen.

Wie werden embryonale Tumoren bei Kindern behandelt?

Embryonale Tumoren sind seltene bösartige Tumorerkrankungen, die vor allem im frühen Kindesalter auftreten. Die Behandlung erfolgt in der Regel multimodal. Je nach Tumorart und individuellem Risiko können Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie miteinander kombiniert werden.

Welche Behandlung erforderlich ist, hängt unter anderem von der jeweiligen Tumorerkrankung, ihrer Lage und Ausbreitung, dem Alter des Kindes sowie klinischen und molekularen Risikofaktoren ab. Auch bei der Frage, ob eine Strahlentherapie notwendig ist, welches Gebiet bestrahlt wird, welche Strahlendosis erforderlich ist und zu welchem Zeitpunkt die Bestrahlung erfolgt, wird das individuelle Erkrankungsrisiko berücksichtigt.

Die Strahlentherapie spielt bei verschiedenen embryonalen Tumoren eine wichtige Rolle für die lokale Tumorkontrolle. Gleichzeitig muss bei kleinen Kindern besonders sorgfältig abgewogen werden, wie sich eine notwendige Bestrahlung auf das noch in Entwicklung befindliche gesunde Gewebe auswirken kann.

Welche Erkrankungen gehören zu den embryonalen Tumoren?

Embryonale Tumoren bilden eine heterogene Gruppe seltener Krebserkrankungen. Zu ihnen gehören unter anderem:

  • Neuroblastome
  • Nephroblastome (Wilms-Tumoren)
  • Medulloblastome
  • atypische teratoide/rhabdoide Tumoren (ATRT)
  • Retinoblastome
  • Hepatoblastome
  • embryonale Rhabdomyosarkome

Die größte Untergruppe bilden mit etwa 35 Prozent die Neuroblastome. Es folgen Nephroblastome mit etwa 25 Prozent sowie intrakranielle beziehungsweise intraspinale Tumoren mit etwa 23 Prozent.

Die Behandlung unterscheidet sich je nach Tumorerkrankung erheblich. Insbesondere die Rolle der Strahlentherapie und die erforderliche Bestrahlungsdosis werden individuell festgelegt.in, um die Heilungschancen zu verbessern oder das Risiko eines Wiederauftretens zu senken.

Warum ist die Strahlentherapie bei Kindern besonders anspruchsvoll?

Kinder mit embryonalen Tumoren sind häufig sehr jung. Dadurch können behandlungsbedingte Nebenwirkungen langfristig relevant sein und sich teilweise erst viele Jahre oder Jahrzehnte später zeigen.

Bei der Planung einer Strahlentherapie werden deshalb insbesondere folgende Faktoren berücksichtigt:

  • die Tumorart
  • die Lage des Tumors
  • das Alter des Kindes
  • die Ausbreitung der Erkrankung
  • das individuelle Rezidivrisiko
  • klinische und molekulare Risikofaktoren

Diese Faktoren beeinflussen, ob eine Strahlentherapie notwendig ist, welches Gebiet bestrahlt wird, welche Strahlendosis erforderlich ist und zu welchem Zeitpunkt die Bestrahlung erfolgt.

Ziel ist es, eine möglichst gute Tumorkontrolle zu erreichen und gleichzeitig gesundes Gewebe so weit wie möglich zu schonen.

Moderne Strahlentherapie bei embryonalen Tumoren

Bei der Strahlentherapie von Kindern kommt der möglichst präzisen Begrenzung der Strahlendosis auf das Zielgebiet eine besondere Bedeutung zu. Zu den hochkonformalen Bestrahlungsverfahren gehören unter anderem die Protonentherapie, die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) und die volumetrisch modulierte Rotationsbestrahlung (VMAT).

Die Protonentherapie kann insbesondere bei sehr jungen Patientinnen und Patienten und bei Tumoren in der Nähe empfindlicher Organe eine Behandlungsoption darstellen. Durch die hohe Konformität kann die Strahlenbelastung des umliegenden gesunden Gewebes reduziert werden.

Welche Bestrahlungstechnik geeignet ist, hängt unter anderem von der Tumorlokalisation, dem erforderlichen Bestrahlungsvolumen und der notwendigen Dosis ab.

Behandlung von Medulloblastomen bei Kindern

Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil. Dabei spielen unter anderem das Alter des Kindes, das Vorliegen von Metastasen und molekulare Eigenschaften des Tumors eine wichtige Rolle. Je nach Risikogruppe können Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie Bestandteile der Behandlung sein.

Eine kraniospinale Bestrahlung, also die Bestrahlung von Gehirn und Rückenmark, ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Die erforderliche Strahlendosis richtet sich nach dem individuellen Risiko und der jeweiligen Tumorsituation.

Bei Kindern mit niedrigerem Risiko können mit der Kombination aus Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie inzwischen gute Behandlungsergebnisse erreicht werden. Gleichzeitig können die notwendigen Therapien langfristige Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören beispielsweise Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung und hormonelle Störungen.

Protonentherapie bei Medulloblastomen

Bei der kraniospinalen Bestrahlung ist die Schonung gesunder Gewebe besonders wichtig, da ein vergleichsweise großes Gebiet behandelt werden muss.

Untersuchungen zeigen, dass mit Protonentherapie die Strahlendosis in bestimmten Hirnregionen, die für kognitive Funktionen relevant sind, reduziert werden kann. Auch die Belastung hormonproduzierender Organe kann verringert werden.

Damit kann die Protonentherapie dazu beitragen, die langfristige Belastung durch die Behandlung zu reduzieren.

Behandlung von Nephroblastomen (Wilms-Tumoren) bei Kindern

Das Nephroblastom, auch Wilms-Tumor genannt, tritt insbesondere bei Kindern bis zum vierten Lebensjahr auf. Die Behandlungsergebnisse sind heute sehr gut; das Fünf-Jahres-Überleben liegt bei über 90 Prozent.

Deshalb wird eine Strahlentherapie heute nicht routinemäßig bei allen Kindern mit Nephroblastom eingesetzt. Ob eine Bestrahlung erforderlich ist, hängt unter anderem vom Tumorstadium, der Histologie und molekulargenetischen Eigenschaften ab.

Je nach Erkrankungssituation können beispielsweise die Tumorregion, der gesamte Bauchraum oder bei bestimmten Befunden die Lunge bestrahlt werden. Bei Babys und Kleinstkindern sollte eine Strahlentherapie möglichst vermieden werden. Auch eine Reduktion der Strahlendosis kann in Betracht gezogen werden.

Der Grund liegt unter anderem in möglichen langfristigen Nebenwirkungen. Diese können beispielsweise die Nierenfunktion und Fruchtbarkeit betreffen. Auch Herz und andere Organe können langfristig beeinträchtigt werden. Zudem muss das Risiko für Zweittumoren bei der langfristigen Nachsorge berücksichtigt werden.denden Faktor an, 75 Prozent nannten die Vermeidung von Entwicklungsstörungen.

Forschung zur möglichst schonenden Behandlung des Nephroblastoms

Da die Heilungschancen beim Nephroblastom sehr gut sind, konzentriert sich die Forschung zunehmend darauf, die Behandlung weiter zu reduzieren und besser verträglich zu machen.

Dabei werden unter anderem hochpräzise Bestrahlungsverfahren wie IMRT und Protonentherapie untersucht und kleinere Bestrahlungsfelder eingesetzt. Auch molekulare Eigenschaften des Tumors sollen dazu beitragen, die Behandlung weiter zu individualisieren.

Behandlung von Neuroblastomen bei Kindern

Neuroblastome können sich sehr unterschiedlich entwickeln. Bei Kindern mit günstigem Risikoprofil kann sich ein Tumor teilweise spontan zurückbilden. Hochrisiko-Neuroblastome erfordern dagegen eine intensive multimodale Behandlung.

Je nach Risikoprofil kommen unter anderem Chemotherapie, Operation, Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation, Strahlentherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Therapien zum Einsatz.

Bei Hochrisiko-Neuroblastomen spielt die Strahlentherapie eine wichtige Rolle. Bei Erkrankungen mit mittlerem Risiko ist ihr Einsatz von der individuellen Situation abhängig.

Da Neuroblastome häufig bei sehr jungen Kindern auftreten, ist die Schonung des gesunden Gewebes besonders wichtig. Für sehr junge Patientinnen und Patienten sowie bei Tumoren in ungünstigen Lokalisationen wird häufig eine Protonentherapie bevorzugt.

Langzeitfolgen bei der Behandlung von Neuroblastomen

Zu den möglichen Langzeitfolgen nach der Behandlung eines Neuroblastoms gehören Veränderungen des Bewegungsapparates. Auch Skoliosen können auftreten. Darüber hinaus besteht abhängig von der Behandlung und der bestrahlten Körperregion ein Risiko für bestimmte Zweittumoren.

Moderne Bestrahlungstechniken und die Untersuchung der erforderlichen Strahlendosis sollen dazu beitragen, die langfristigen Belastungen weiter zu reduzieren.

Behandlung von embryonalen Rhabdomyosarkomen bei Kindern

Das embryonale Rhabdomyosarkom gehört zu den prognostisch günstigeren Formen. Die Behandlung richtet sich unter anderem nach Alter, Tumorgröße, Histologie, Tumorgruppe und dem Befall von Lymphknoten.

Bei Patientinnen und Patienten mit höherem Risiko wird eine Strahlentherapie der Primärtumorregion und gegebenenfalls auch von Metastasen eingesetzt. Die Bestrahlung kann entweder nach einer Operation oder als definitive Behandlung erfolgen.

Da Rhabdomyosarkome an unterschiedlichen Körperstellen auftreten können, unterscheiden sich auch die möglichen Spätfolgen. Bei Tumoren im Bereich der Augenhöhle können beispielsweise trockene Augen oder eine Linsentrübung auftreten. Je nach Bestrahlungsregion können außerdem hormonelle, urogenitale, renale oder kardiale Spätfolgen relevant sein.

Auch beim Rhabdomyosarkom werden deshalb hochkonformale Bestrahlungstechniken eingesetzt.

Publikation

Die Originalpublikation ist im Fachmagazin „Die Onkologie“ erschienen und dort abrufbar.

Kinderonkologisches Programm der UME / WTZ

6000. Patientenbehandlung am WPE: Mit Protonen gegen einen Hirntumor

Im August 2026 wurde im WPE der 6000. Patient behandelt. Herr Konrad hat ein Oligodendrogliom und wird mit Protonen bestrahlt.

Hochkonformale Strahlentherapie bei Kindern

Zu den hochkonformalen Bestrahlungsverfahren gehören unter anderem Protonentherapie, IMRT und VMAT. Sie ermöglichen eine möglichst präzise Anpassung der Strahlendosis an das zu behandelnde Gebiet.

Die Protonentherapie kann dazu beitragen, die Strahlendosis außerhalb des eigentlichen Zielgebietes zu reduzieren. Dies ist bei Kindern besonders relevant, da mögliche Spätfolgen einer Behandlung erst Jahre oder Jahrzehnte später auftreten können.

Was bedeutet hochkonformale Strahlentherapie?

„Konformal“ bedeutet, dass die Form der Strahlendosis möglichst genau an die Form und Lage des zu behandelnden Zielgebiets angepasst wird. So soll das Zielgebiet möglichst vollständig mit der erforderlichen Dosis behandelt werden, während außerhalb des Zielgebiets möglichst wenig Strahlendosis abgegeben wird. Das kann dazu beitragen, umliegendes gesundes Gewebe zu schonen.

Langfristige Nachsorge nach der Behandlung

Die Behandlung eines embryonalen Tumors endet nicht mit der letzten Therapie. Einige mögliche Spätfolgen können erst viele Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der Behandlung auftreten.

Deshalb ist eine strukturierte langfristige beziehungsweise lebenslange Nachsorge wichtig. Sie ermöglicht es, mögliche Folgen der Erkrankung und ihrer Behandlung frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls entsprechend zu reagieren.

Fazit: Behandlung embryonaler Tumoren individuell planen

Die Behandlung embryonaler Tumoren bei Kindern erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen einer möglichst guten Tumorkontrolle und der Vermeidung langfristiger Nebenwirkungen.

Besonders wichtig sind dabei:

  • eine Behandlung in einem spezialisierten pädiatrischen und interdisziplinären Umfeld
  • eine individuell an das Erkrankungsrisiko angepasste Strahlentherapie
  • eine möglichst präzise Begrenzung des Bestrahlungsvolumens
  • der Einsatz hochkonformaler Verfahren wie der Protonentherapie, wenn diese im individuellen Fall sinnvoll ist
  • sowie eine strukturierte langfristige Nachsorge

Gerade bei sehr jungen Kindern sollte jede Strahlentherapie sorgfältig durch erfahrene Expertinnen und Experten geprüft und individuell geplant werden.


Pressekontakt

Medizinische Leiterin: Prof. Dr. med. Beate Timmermann

Hufelandstraße 55

45147 Essen