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Übersicht: AktuellesErstellt am: 08.06.2026

Aktualisierte Leitlinie für erwachsene Patientinnen und Patienten mit einem Weichteilsarkom

Weichteilsarkome (Soft-Tissue-Sarkome) sind seltene bösartige Tumoren des Weichgewebes. Sie können unter anderem aus Fett-, Muskel-, Binde- oder Nervengewebe entstehen. Zu dieser Tumorgruppe zählen beispielsweise:

  • Liposarkom
  • Synovialsarkom
  • Leiomyosarkom
  • weitere nicht-rhabdomyosarkomatöse Weichteilsarkome

Die aktualisierte ESTRO-Leitlinie bezieht sich auf die Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit einem lokalisierten Weichteilsarkom der Arme, Beine und Rumpfwand. Ziel ist es, behandelnden Fachdisziplinen eine praktische und evidenzbasierte Orientierung für die Strahlentherapie dieser seltenen Tumorerkrankungen zu geben.

Internationale Expertengruppe mit Beteiligung des WPE

Für die Erstellung der Leitlinie setzte die ESTRO eine internationale Arbeitsgruppe ein. Diese bestand aus:

Die Gruppe bewertete die aktuelle wissenschaftliche Datenlage und formulierte Empfehlungen zu insgesamt 13 klinisch relevanten Fragestellungen. Dazu zählten unter anderem die Indikationsstellung, die Bestrahlungsplanung, die optimale Reihenfolge von Bestrahlung und Operation sowie Empfehlungen zur Dosis und zur Schonung umliegender Organe.

Unter den von der ESTRO benannten europäischen Expertinnen und Experten war auch Prof. Dr. Beate Timmermann als Fokusgruppenleiterin vertreten, die ihre fachliche Expertise bei der Behandlung von Sarkomen in die Erarbeitung der Leitlinie eingebracht hat.

Wann ist eine Bestrahlung bei einem Weichteilsarkom sinnvoll?

Die Leitlinie betont, dass die Entscheidung für eine Strahlentherapie individuell getroffen werden sollte. Ausschlaggebend ist insbesondere das Risiko eines lokalen Rückfalls. Dieses hängt unter anderem von Tumorgröße, Tumorlage, Tumorgrad und der histologischen Unterform ab.

Deshalb wird empfohlen, die Behandlung von einem Weichteilsarkom grundsätzlich in einem spezialisierten Sarkomzentrum zu planen. Die Entscheidung sollte in einem interdisziplinären Team aus Chirurgie, Onkologie, Radiologie und Strahlentherapie erfolgen.

Präoperative Strahlentherapie bleibt bevorzugter Standard

Ein zentrales Ergebnis der aktualisierten Leitlinie ist die Bestätigung des bisherigen Standards: Ist bei einem lokalisierten Weichteilsarkom eine Strahlentherapie indiziert, wird die präoperative Bestrahlung mit anschließender Operation als bevorzugte Behandlungssequenz empfohlen.

Die Leitlinie bestätigt damit die etablierte Rolle der präoperativen Strahlentherapie bei lokalisierten Weichteilsarkomen der Extremitäten und der Rumpfwand.

Im Vergleich zu einer postoperativen Bestrahlung kann die präoperative Strahlentherapie in bestimmten Situationen Vorteile hinsichtlich der Schonung gesunden Gewebes und des Langzeitnebenwirkungsprofils bieten.

Präzise Bestrahlungsplanung durch moderne Verfahren

Für die Bestrahlungsplanung von einem Weichteilsarkom empfiehlt die Leitlinie eine MRT-basierte Zielvolumendefinition mit standardisierten Sicherheitssäumen. Dadurch kann das Tumorgewebe möglichst exakt abgegrenzt werden.

Für die Durchführung werden moderne hochkonformale Techniken mit täglicher Bildführung empfohlen, insbesondere:

  • IMRT (intensitätsmodulierte Strahlentherapie)
  • VMAT (volumenmodulierte Rotationsbestrahlung)
  • Trotz technischer Weiterentwicklungen betonen die Autorinnen und Autoren, dass die grundlegenden Prinzipien der Behandlung weiterhin unverändert geblieben sind.

Protonentherapie als hochpräzises Bestrahlungsverfahren

Auch wenn der Fokus der veröffentlichten ESTRO-Leitlinie nicht speziell auf der Protonentherapie liegt, gehört sie zu den modernen hochpräzisen Verfahren der Strahlentherapie. Wie andere konformale Bestrahlungstechniken ermöglicht auch die Protonentherapie eine sehr genaue Anpassung der Strahlendosis an das Zielvolumen.

Insbesondere bei Weichteilsarkomen in anatomisch anspruchsvollen Regionen kann eine präzise Bestrahlungsplanung dazu beitragen, umliegende gesunde Organe und Gewebestrukturen bestmöglich zu schonen. Welche Form der Strahlentherapie im individuellen Fall am geeignetsten ist, sollte in spezialisierten Sarkomzentren auf Grundlage der jeweiligen Tumorlokalisation, der angrenzenden Risikoorgane und des gesamten Behandlungskonzepts entschieden werden.

Neue Entwicklungen weiterhin Gegenstand klinischer Forschung

Neben den etablierten Behandlungskonzepten werden auch neue Ansätze beschrieben. Dazu gehören insbesondere:

  • verkürzte präoperative Bestrahlungskonzepte (Hypofraktionierung)
  • Kombinationen von Strahlentherapie mit Immuntherapie
  • Kombinationen mit zielgerichteten medikamentösen Therapien

Diese Verfahren gelten derzeit noch als Gegenstand klinischer Forschung und sollen nach Empfehlung der Expertengruppe noch nicht routinemäßig außerhalb von Studien eingesetzt werden.

ESTRO

Download der Leitlinie

Die englische Leitlinie inkl. der Angaben der jeweiligen Studien und ihrer Ergebnisse kann hier abgerufen werden:

Weichteilsarkome am WPE

Sarkome spielen am WPE eine besondere Rolle. Mit knapp 1.450 behandelten Sarkomen, darunter mehr als 730 Weichteilsarkome, sind diese Tumoren die zweithäufigste Diagnose in unserem Zentrum.

Weiteilsarkompatien:innen bietet die Protonentherapie eine wichtige Therapieoption.

5000. Patientenbehandlung im WPE

Im Februar 2025 wurde im WPE der 5000. Patient behandelt. Der junge Mann hat ein Weichteilsarkom und wird mit Protonen bestrahlt.

Sarkomzentrum der UME

Behandlung von Weichteilsarkomen in spezialisierten Zentren

Die wichtigsten Empfehlungen der ESTRO-Leitlinie auf einen Blick

  • Die Indikation für eine Strahlentherapie sollte anhand des individuellen Lokalrezidivrisikos und im Rahmen einer interdisziplinären Bewertung erfolgen.
  • Die präoperative Strahlentherapie mit anschließender Operation bleibt die bevorzugte Behandlungssequenz bei einem lokalisierten Weichteilsarkom.
  • Die Bestrahlungsplanung sollte auf einer MRT-basierten Zielvolumendefinition beruhen.
  • Moderne hochkonformale Techniken wie IMRT oder VMAT mit täglicher Bildführung werden empfohlen.
  • Neue Ansätze wie Hypofraktionierung oder die Kombination von Strahlentherapie mit systemischen Therapien werden derzeit wissenschaftlich untersucht und sind noch nicht Bestandteil der Routineversorgung.

Pressekontakt

Medizinische Leiterin: Prof. Dr. med. Beate Timmermann

Hufelandstraße 55

45147 Essen