Die selbst gestaltete Superhelden-Maske soll Kinder und Jugendliche bei ihrer Therapie unterstützen.

Farben und Superhelden für den Mut

Sie gehören am WPE zum Alltagsbild: Die hellgrünen Masken, die individuell für jeden Patienten angefertigt werden. Speziell bei der Bestrahlung von Hirn- oder Kopf-Hals-Tumoren unterstützen diese den Kopf so, dass keine unwillkürliche Bewegung stören kann, denn nur so ist eine punktgenaue Bestrahlung möglich. Ein neues Projekt zur Kunsttherapie am Westdeutschen Protonentherapiezentrum soll Kindern und Jugendlichen nun den Umgang mit der Maske erleichtern – und aus dem medizinischen Objekt eine eigene, stärkende Kreation machen. Auf Wunsch sogar im Superhelden-Look.

Der größte Vorteil der Protonentherapie ist zugleich ihr Knackpunkt: Die hohe Präzision der Bestrahlung schützt das noch unreife, empfindliche Gewebe der Patientinnen und Patienten größtmöglich, macht jedoch eine optimale, während der gesamten mehrwöchigen Behandlungszeit stets gleiche Position zur unbedingten Voraussetzung. Anders gesagt: Mit der Genauigkeit der Planung und einer exakten Lagerung steht und fällt die Therapie. Ärzte, Physiker und MTRA am WPE arbeiten deshalb gemeinsam an präzisen Bestrahlungsplänen für jeden einzelnen Patienten. Hilfsmittel der MTRA sind dabei unter anderem spezielle Lagerungskissen und eben die typischen grünen, individuell angepassten Netzmasken aus Plastik. Eine kürzere Variante bedeckt das Gesicht und das Haupt. Eine längere Version reicht hinunter bis zu den Schultern. In diesen Kopf-Hals-Masken können – falls notwendig – dann auch die Bestrahlungspunkte der Lymphabflussgebiete , etwa bei der Bestrahlung von HNO-Tumoren, eingezeichnet werden.

Nicht alle Patienten kommen jedoch mit der Enge der Maske und der damit verbundenen Unbeweglichkeit zurecht; gerade Kinder und Jugendliche kämpfen manchmal mit dieser Herausforderung. Annelie Ender, MTRA und engagierte Kunsttherapeutin am WPE: „Leider kann man einigen Kindern nur schwer vermitteln, dass sie längere Zeit wirklich stillliegen müssen. Die Situation als solche ist schon alles andere als leicht – ohne Eltern, in einer hochtechnischen Gantry und dann noch eine Maske über dem Gesicht. Wir versuchen deshalb, die Netzmasken bereits bei der individuellen Anfertigung möglichst positiv für die Kinder zu besetzen.“


Kunsttherapie an der Universitätsmedizin Essen
Das Angebot der Kunsttherapie für krebskranke Kinder an der Universitätsmedizin Essen wird seit vielen Jahren von der Stiftung Universitätsmedizin unterstützt. Insbesondere an der Kinderklinik des UK Essen helfen kunsttherapeutische Projekte dabei, dass sich viele der rund 30.000 Kinder und Jugendlichen, die dort behandelt werden, auf kreative Art und Weise mit ihrer Krankheit auseinandersetzen und ihren Ängsten und Sorgen, aber auch ihren Wünschen und Hoffnungen Ausdruck verleihen. Angebote wie diese gehen über die Regelversorgung hinaus und können nur über zusätzliche finanzielle Hilfen realisiert werden. Das Projekt am WPE wurde dank der Unterstützung der Evonik Stiftung in Höhe von 30.000 Euro für zwei Jahre möglich. Neben Masken können Patienten auch Kissen oder Leinwände kreativ gestalten. Manche stellen auch eigene Masken für ihr Kuscheltier her.
Stiftung Universitätsmedizin Essen
Evonik Stiftung


Das vor einem Jahr am WPE angelaufene kunsttherapeutische Masken-Projekt zielt genau in diese Richtung: „Wir wollten von Anfang an alles tun, um unseren jungen Patientinnen und Patienten die Behandlung so angenehm wie möglich zu machen und ihnen gleichzeitig auch die Möglichkeit geben, dass sie selbst ihre Behandlung aktiv mitgestalten können. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und kann sich positiv auf ihr Befinden während der Behandlung auswirken“, erläutert Prof. Dr. Beate Timmermann, Direktorin der Klinik für Partikeltherapie und Ärztliche Direktorin des WPE die Hintergründe. In der Praxis bedeutet das vor allem jede Menge Kreativität. Unter Anleitung von Annelie Ender verleihen die krebskranken Kinder ihren Masken ein farbenfrohes, individuelles Aussehen und damit letztlich auch sich selbst ein neues Ich. „Mögliche negative Assoziationen“, fasst Ender zusammen, „die mit der Maske in Beziehung stehen könnten, werden durch etwas Positives, etwas selbst Geschaffenes ersetzt“. Und so wird aus so manch schlichter Maske derzeit ein vor Farbe strotzender Superhelden-„Überzug“, der beschützt und Kraft gibt.

Tatsächlich, sagt Annelie Ender, „geht es darum, ein Gefühl der Identifikation zu erzeugen, das im besten Fall darin gipfelt, dass sich die Kinder auf das Anlegen ihrer ganz persönlichen Maske richtiggehend freuen“. Nach Abschluss der Therapie gehen die Masken dann selbstverständlich mit nach Hause. Als einzigartiges Erinnerungsstück, das der Familie und Angehörigen präsentiert werden kann. Und als ganz persönliche Belohnung für den enormen Mut der jüngsten Patienten des WPE.