
International vernetzt für die bestmögliche Versorgung
Das HIT-Netzwerk verbessert die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren
Eine aktuelle Publikation des HIT-Netzwerks (Hirntumor-Netzwerk) in Pediatric Blood & Cancer zeigt, wie die enge Zusammenarbeit von Studienzentren, Referenzzentren und Behandlungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Versorgung von jährlich mehr als 600 jungen Patientinnen und Patienten verbessert. Das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen (WPE) ist als Teil dieser Netzwerkstruktur an den qualitätssichernden strahlentherapeutischen Referenzprozessen beteiligt.
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Warum das HIT-Netzwerk für Kinder mit Hirntumoren so wichtig ist
Kinder und Jugendliche mit Hirntumoren benötigen eine hochspezialisierte Diagnostik und Behandlung. Viele Tumorarten sind selten und lassen sich zunehmend in molekulare Untergruppen einteilen. Deshalb ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen entscheidend.
Die aktuelle Publikation beschreibt die Entwicklung und die Erfolge des HIT-Netzwerks, das seit dem Jahr 2000 die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) in Deutschland, Österreich und der Schweiz koordiniert.
Überblick:
- Mehr als 600 junge Patientinnen und Patienten profitieren jährlich von der Netzwerkstruktur.
- Über 95 Prozent aller betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland werden erfasst.
- Ziel: Einheitliche Standards, Qualitätssicherung und Zugang zu spezialisierter Expertise unabhängig vom Wohnort.
Einheitliche Standards für Diagnostik und Therapie
Das HIT-Netzwerk vereint zehn Studienzentren, elf Referenzzentren sowie 72 spezialisierte Behandlungszentren. Durch die strukturierte Zusammenarbeit sollen Diagnostik, Therapieplanung und Forschung kontinuierlich verbessert werden.
Ein zentraler Baustein ist die unabhängige Begutachtung wichtiger diagnostischer und therapeutischer Schritte durch spezialisierte Referenzzentren, darunter:
- Neuroradiologie
- Neuropathologie
- Liquordiagnostik
- Neurochirurgie
- Strahlentherapie
Diese zentrale Qualitätssicherung kann dazu beitragen, Diagnosen zu präzisieren, Therapien besser zu planen und potenzielle Fehlklassifikationen vor Behandlungsbeginn zu erkennen. Abweichungen zwischen lokaler und zentraler Bewertung können durch diese zentrale Qualitätssicherung vor Therapiebeginn erkannt und korrigiert werden, wodurch Fehlklassifikationen und ungeeignete Therapieentscheidungen vermieden werden.
Strahlentherapie als wichtiger Bestandteil des Netzwerks
Für viele Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter ist die Strahlentherapie ein unverzichtbarer Bestandteil der multimodalen Behandlung. Gleichzeitig erfordert sie höchste Präzision, da bereits geringe Abweichungen Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Therapie oder das Risiko möglicher Spätfolgen haben können.
Qualitätssicherung in der Strahlentherapie:
- Individuelle Bestrahlungspläne werden vor Therapiebeginn überprüft.
- Bei Bedarf werden Optimierungen empfohlen.
- Die Erfahrungen aus der Referenz-Strahlentherapie fließen in Leitlinien und Empfehlungen ein.
Die Autorinnen und Autoren verweisen zudem auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Strahlentherapie und dem Behandlungsergebnis zeigen. Daher wurden innerhalb des HIT-Netzwerks Verfahren zur qualitätsgesicherten Überprüfung von Bestrahlungsplänen etabliert und weiterentwickelt. Die daraus gewonnenen Erfahrungen sowie die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit flossen auch in Leitlinien und Empfehlungen ein, die zu einer Standardisierung der Strahlentherapie und einer weiteren Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren beitragen.
Expertise aus dem WPE im HIT-Netzwerk
Eine zentrale Rolle in diesem Bereich übernimmt Prof. Dr. Beate Timmermann, Direktorin der Klinik für Partikeltherapie am Universitätsklinikum Essen und Ärztliche Leiterin des Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen. Sie ist Sprecherin des Konsortiums der strahlentherapeutischen Referenzzentren im HIT-Netzwerk und Mitautorin der aktuellen Publikation.
Das WPE zählt zu den führenden Zentren für die Protonentherapie bei Kindern und Jugendlichen. Die Expertise des Essener Teams fließt unter anderem ein in:
- Therapieempfehlungen
- Qualitätssicherung von Bestrahlungsplänen
- Weiterentwicklung nationaler und internationaler Behandlungsstandards
Forschung und Versorgung profitieren gemeinsam
Das HIT-Netzwerk verbessert nicht nur die Patientenversorgung, sondern schafft auch eine wichtige Forschungsplattform. Die hohe Erfassungsquote, standardisierte Diagnostik und systematische Dokumentation ermöglichen belastbare wissenschaftliche Analysen über verschiedene Hirntumorarten hinweg.
Seit dem Jahr 2000 sind aus dem Netzwerk mehr als 1.000 wissenschaftliche Publikationen hervorgegangen.
Langfristige Förderung stärkt die Qualitätssicherung
Die Bedeutung des Netzwerks wird durch die kontinuierliche Förderung der Deutschen Kinderkrebsstiftung unterstrichen. Seit der Gründung wurden mehr als 48 Millionen Euro in Studienzentren, Referenzstrukturen und Forschungsprojekte investiert.
Neue Förderperiode 2026–2028
Besonders erfreulich ist, dass die Förderung der strahlentherapeutischen Referenzzentren unter Leitung von Prof. Timmermann für die Jahre 2026 bis 2028 erneut bewilligt wurde. Damit können die Qualitätssicherung und die Weiterentwicklung moderner Behandlungsverfahren fortgeführt werden.
Fazit: Vernetzte Expertise verbessert die Versorgung
Die aktuelle Publikation zeigt, wie eine enge Vernetzung von Spezialistinnen und Spezialisten die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren verbessern kann. Das HIT-Netzwerk verbindet moderne Diagnostik, individualisierte Therapie, umfassende Qualitätssicherung und innovative Forschung.
So profitieren Patientinnen und Patienten unabhängig von ihrem Wohnort von der vorhandenen Expertise und eine hochwertige Versorgung wird auch außerhalb großer Spezialzentren sichergestellt.
Prof. Dr. Beate Timmermann und das Team des WPE leisten dabei einen wichtigen Beitrag innerhalb dieses internationalen Versorgungs- und Forschungsnetzwerks.
Die Deutsche Kinderkrebsstiftung (DKS)

Die Deutsche Kinderkrebsstiftung unterstützt das HIT-Netzwerk seit mehr als 20 Jahren und finanziert dessen Studien-, Referenz- und Forschungsstrukturen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren.
Artikel
Die aktuelle Publikation ist in Pediatric Blood & Cancer erschienen. Lesen Sie hier den vollständigen Fachartikel.
Beratungs- und Referenzzentrum am WPE
Als Beratungs- und Referenzzentrum für pädiatrische Strahlentherapie unterstützt das WPE behandelnde Zentren, Fachkolleginnen und Fachkollegen sowie betroffene Familien mit unabhängiger Expertise, qualitätsgesicherten Therapieempfehlungen und Referenzbegutachtungen.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Beate Timmermann ist das Zentrum eng in nationale und internationale Studien- und Referenzstrukturen eingebunden und trägt zur Weiterentwicklung moderner Behandlungsstandards bei.
Das HIT-Netzwerk auf einen Blick
- gegründet 2000
- Deutschland, Österreich und Schweiz
- über 600 Patientinnen und Patienten jährlich
- über 95 % Erfassungsquote in Deutschland
- 10 Studienzentren
- 11 Referenzzentren
- 72 Behandlungszentren

2000. Behandlung eines Kindes
Anfang 2023 wurde das 2000. Kind im WPE behandelt.