Indikationen

Bislang wurden weltweit bereits mehr als 150.000 Patienten mit Protonen behandelt. Als Standardindikationen für eine Protonentherapie gelten heute bereits die Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis sowie des Achsenskeletts, Tumoren des Augenhintergrundes und in zunehmendem Umfang solide Tumoren im Kindesalter.

Das WPE verfügt über vier Therapieräume mit verschiedenen Protonenmodalitäten und der Möglichkeit der Bildführung mittels Röntgen, CT und MRT verfügen. Da wir aktuell in der Startphase auch aufgrund der neben dem klinischen Betrieb erfolgenden Inbetriebnahme weiterer Räume und Systeme eine begrenzte Kapazität haben, werden wir uns zunächst auf einige ausgewählte Indikationen beschränken (s. Tabelle). Diese Abwägung erfolgt vor dem Hintergrund der technischen Voraussetzungen und der potentiellen medizinischen Chancen. Mit dem technischen und kapazitativen Aufbau unserer Behandlungsräume wird die Indikationsliste stetig erweitert.

Aktuell werden am WPE insbesondere nicht-atemverschiebliche Tumoren im Kopf-, Wirbelsäulen- und Beckenbereich behandelt (also vornehmlich primäre Hirntumoren sowie Sarkome von Schädelbasis, Gesichtsschädel, Wirbelsäule und Becken). Auch Prostata-Karzinome und Nasopharynx-Karzinome finden Berücksichtigung.

Besonders für Tumoren im Kindesalter kann die hier angebotene Protonentherapie aufgrund der geringeren Belastung des noch unreifen, empfindlichen Gewebes von großem Vorteil sein. Auch jüngere Kinder (< fünf Jahren) können bei uns mit Protonen behandelt werden. Die Behandlung von Kindern stellt am WPE aktuell einen großen Schwerpunkt dar.

Seit Januar 2015 bieten wir am WPE auch die Bestrahlung des gesamten Zentralen Nervensystems (kraniospinale Behandlung) mit Protonen an. Dank der Protonenstrahlen können dabei die inneren Organe wie Herz, Darm, Schilddrüse oder weibliche Keimdrüsen geschont werden. Erstmals in Europa können hier auch Kinder in Sedierung routinemäßig Zugang zu dieser komplexen Behandlungsform erhalten.

Bewegliche Tumoren wie im Bereich der Brust, der Lunge, Leber, des Magens, Darms und der Bauchspeicheldrüse werden derzeit noch nicht behandelt.

Mögliche Indikationen für eine Protonentherapie am WPE

Diagnosen:

    Tumoren im Kindesalter: ZNS, parameningeal/ kraniofazial, Wirbelsäule, Becken

    Tumoren im Erwachsenenalter:

    • Gliome Grad II oder III
    • Glioblastome
    • Meningeome
    • Kraniopharyngeome
    • Hypophysenadenome
    • Ependymome, Medulloblastome, stPNET, Germinome (auch kraniospinale Behandlungen)
    • Chordome/Chondrosarkome der Schädelbasis, der Wirbelsäule, und des Beckens
    • Glomustumoren
    • Knochen- oder Weichteilsarkome der Schädelbasis, der Wirbelsäule, und des Beckens
    • Nasopharynxkarzinome (als Boost oder Lymphabfluss)
    • Karzinome der Nasennebenhöhlen
    • Ästhesioneuroblastome
    • Fortgeschrittene Beckentumoren mit Lymphabfluss
    • Speicheldrüsenkarzinome, Adenoidzystische Karzinome
    • Prostatakarzinome (besonders intermediate / high risk)
    • Komplexe Rezidivsituationen

Klinische Erfahrungen

Protonentherapie für Augentumoren

Mittlerweile ist die Behandlung des Aderhautmelanoms mit Protonen an führenden Zentren in den USA und Europa fest etabliert. Mit Protonen konnte eine erfolgreiche Therapie unter Erhalt des Auges bei bis zu 90 Prozent der Patienten und oftmals sogar unter Erhalt der Sehkraft erreicht werden.

Am WPE bieten wir diese Behandlungsform aktuell noch nicht an.

Protonentherapie für Chordome und Chondrosarkome

Auch Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis und Wirbelsäule gelten inzwischen als anerkannte Indikation für eine Protonentherapie und können am WPE behandelt werden. Diese Tumoren liegen in unmittelbarer Nähe zu kritischen Strukturen wie z.B. Hirnstamm, Rückenmark, Sehnerven oder Temporallappen. Fast immer können diese lokal aggressiven Tumoren nicht komplett operativ entfernt werden und bedürfen einer hochpräzisen Nachbestrahlung. Hier kommt die Protonentherapie seit vielen Jahren erfolgreich zum Einsatz. Die Behandlungskosten für die Protonentherapie übernehmen meist die Krankenkassen.

Protonentherapie bei Kindern

Wegen der besseren Möglichkeiten zur Schonung des umgebenden Normalgewebes sowie der Chance auf eine Verringerung des Risikos von Zweittumoren und Spätfolgen wird die Protonentherapie für Kinder verstärkt eingesetzt und bildet einen Schwerpunkt am WPE.

In Deutschland kommen Protonen im Rahmen der interdisziplinären GPOH-Studien vor allem bei lokalisierten Hirntumoren und sarkomatösen Erkrankungen zum Einsatz.

Die Krankenkassen unterstützen die Nutzung der Protonentherapie für Kinder.