Der humanoide Roboter NAO 6, oder besser: Simba, soll Kindern und Jugendlichen die Therapie am WPE erleichtern.

Kleiner Roboter mit großer Wirkung: NAO 6 als digitaler Mutmacher

Seit September hat das Team des WPE digitale Verstärkung. Der humanoide Roboter NAO 6 soll künftig im Rahmen eines einzigartigen Pilotprojektes bei der psychosozialen Betreuung der jüngsten Patientinnen und Patienten eingesetzt werden. Die Anschaffung des programmierbaren Roboters mit künstlicher Intelligenz war dank der Unterstützung der Stiftung Universitätsmedizin und einer Spende der PSD Bank Rhein-Ruhr in Höhe von 15.000 Euro möglich.

60 Zentimeter groß, 25 bewegliche Gelenke, zwei leuchtende große Augen: Der kleine NAO 6 ist wie gemacht für seine wichtige Aufgabe am WPE. Denn NAO 6 soll den jüngsten Patienten des WPE mögliche Ängste nehmen – vor der fremden Umgebung, vor unbekannten Menschen und vor allem vor der Therapie und den damit verbundenen Geräten. Kurzum: Er soll sie spielerisch auf die Behandlung vorbereiten.

„Schon wer sich in die Ausgangssituation unserer jüngsten Patienten versetzt, dürfte verstehen, wie groß die Herausforderung ist, sich in die Hände der riesigen, technischen Geräte zu begeben“, sagt Prof. Dr. Beate Timmermann, Direktorin der Klinik für Partikeltherapie und Ärztliche Leiterin des WPE. „Die Behandlungen dauern in der Regel mehrere Wochen, jeweils fünf Tage die Woche, um die Strahlenbelastung möglichst gering zu halten.“ Jeweils 20 bis 45 Minuten lang sollen die Kinder dabei still liegen bleiben, je nach Art des Tumors zusätzlich unterstützt von passgenauen thermoplastischen Masken, damit die zu bestrahlende Stelle präzise getroffen werden kann. Das kann Mut erfordern – und bedeutet für die jüngsten Patienten unter sechs Jahren mitunter auch Sedierungen. „Unsere psychosoziale Betreuung bemüht sich aber schon im Vorfeld darum, vor allem über spielerische Methoden die aktive Mitwirkung der Kinder an der Therapie zu fördern. Wir haben über die Jahre viele unterschiedliche Möglichkeiten der Unterstützung etabliert, wie kürzlich erst unser Kunsttherapie-Projekt. Auch unser neuer Roboter soll dazu beitragen, mögliche Ängste vor der Behandlung zu nehmen und eher Neugier und Spielfreude anzuregen, um den Krebs zu besiegen.“ Die Kliniker sind selbst ganz begeistert von dem neuen „Kollegen“, der Simba getauft wurde und sehr menschlich wirkt. Prof. Timmermann ist ebenfalls stolz auf dieses Projekt: „Wir haben ein so breit aufgestelltes interdisziplinäres Team, mit dem selbst solche innovativen Projekte an der Schnittstelle von Medizin, Physik und Informatik umgesetzt werden können.“


Projekte für Kinder und Jugendliche am WPE
Mit Unterstützungen wie dieser konnten in der Vergangenheit diverse Projekte und Einzel-Einzel-Aktionen realisiert werden. Die Stiftung der Universitätsmedizin oder der Verein „Be strong for Kids“ sind regelmäßige Partner bei Projekten, die vor allem den jüngsten Patientinnen und Patienten zugute kommen sollen. Einiges davon haben wir in der Vergangenheit bereits vorgestellt:
Allgemeines Rundum-Angebot
Familienzimmer
Kinderbuch
Glückaufglocke
Weihnachtsaktionen
Heldentag


Nachdem in der ersten Phase gelernt wurde, wie Simba funktioniert und programmiert werden kann, geht es jetzt weiter Richtung Anwendung. Dies soll natürlich auch wissenschaftlich begleitet werden. Eine Möglichkeit ist eine Art Rollentausch, bei dem Simba selbst zum Patienten wird und den Kindern das „Kommando“ überlässt. Der kleine Roboter kann also vielleicht von den Kindern angewiesen werden, sich hinzulegen und ganz still liegenzubleiben, bis die Behandlung abgeschlossen ist. „Im allerbesten Fall“, so Prof. Timmermann, „lernen dabei die jungen Patienten quasi aus erster Hand, wie es stressfrei klappt, und tolerieren dann selber ohne Narkose die tägliche Behandlung“. Um die Simulation dabei nahezu perfekt zu machen, ist später auch noch geplant, eine Gantry in Kindergröße zu entwickeln, die aus programmierbaren LEGO-Mindstorms-EV3-Steinen erbaut werden soll. PD Dr. Lorenzo Brualla y Barberà, der das Projekt am WPE betreut: „Über dieses System können wir die Bewegungen der Gantry und des Behandlungstisches sehr gut nachstellen“.

Auch Dr. Jorit Ness, Geschäftsführer der Stiftung Universitätsmedizin ist überzeugt, dass „Angebote wie der NAO-Roboter ein wichtiger zusätzlicher Baustein im Rahmen der Krebstherapie eines ,Smart Hospital‘ sein können – sie können dazu beitragen, dass die Kinder die Behandlungssituation besser einschätzen und dadurch entspannter mitmachen können“. Aber: „Solche Angebote gehen über die medizinische Regelversorgung hinaus und können nur durch Spenden finanziert werden.“ Tatsächlich realisieren ließ sich das digitale Projekt des WPE nur dank der Unterstützung der PSD Bank Rhein-Ruhr, die dafür Mittel in Höhe von 15.000 Euro bereitstellte.

Doch der Aufwand lohnt: Das kinderonkologische Programm am Westdeutschen Protonentherapiezentrum ist einzigartig in Deutschland. Rund die Hälfte der Patienten des WPE sind Kinder oder Jugendliche; entsprechende Zuweisungen kommen aus ganz Europa und dem weiteren Ausland. Und auch hier punktet NAO 6: Der Roboter ist auf 20 verschiedene Sprachen programmiert. Die erste kleine Hürde bei der Kontaktaufnahme mit den kleinen Patientinnen und Patienten meistert der digitale Mutmacher also spielend.